Vorwurf wegen versteckter Werbebotschaft

Mit Donald Duck gegen Internetpiraten

Eine schwedische „Micky Maus“-Geschichte bezieht auffallend Position in der aktuellen Filesharing-Debatte. Der Herausgeber des Disney-Hefts wurde wegen der Werbebotschaft angezeigt.

Donald Duck kopiert legal Musikdateien aus dem Internet und muss seinen Onkel um Vergebung bitten.   Bild: screenshot www.dn.se / illustration: copyright disney

STOCKHOLM taz | Donald Duck ist unter die Internet-Piraten gegangen. Als er von Tick, Trick und Track erfährt, dass man sich Musik aus dem Internet herunterladen und gar auf CDs brennen kann, wittert er mal wieder das schnelle Geld. Der Plattenkonzern, dessen Scheiben er da schwarz brennt gehört natürlich – Knirsch! Ächz! - Onkel Dagobert. Als der ihm auf die Schliche kommt, ist er zwar unerwartet großzügig und lässt noch mal Gnade vor Recht ergehen. Aber erst nachdem Donald auf Knien rutschend verspricht, so etwas absolut nie, nie wieder zu tun. Dabei hatten ihn seine klugen Neffen ausdrücklich gewarnt: „Onkel Donald, so etwas tut man nicht. Es gibt doch ein Urheberrecht!“

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Diese zweiseitige Comic-Geschichte, die daherkommt wie eine bezahlte Reklame der Musik- und Filmbranche ist im aktuellen Heft von „Kalle Anka“, der schwedischen „Micky-Maus“ zu finden. Und mit der Begründung, sie sei eine nicht gekennzeichnete Werbeanzeige im redaktionellen Teil der Zeitschrift, ist sie jetzt beim Verbraucher-Ombudsman in Stockholm angezeigt worden.

Der Comic-Strip stelle eine „lügenhafte und versteckte Werbebotschaft“ dar, fordere zum Kauf von CDs auf, weil sonst die Künstler verhungern und die Plattenlabel doch so nett sind, meint der 35-jährige Anzeigeerstatter: „Und dass es für den, der kopiert, ganz schön böse enden kann.“ Besonders verwerflich sei so eine versteckte Propaganda, weil sie sich an ein Kinderpublikum richte.

Die Reaktion des Egmont-Verlags, der für den Disney-Konzern in Schweden „Kalle Anka“ herausgibt? Er gibt sich ausgesprochen zerknirscht. Man entschuldige sich dafür, dass diese Geschichte ins Heft gerutscht sei, erklärte die zuständige Verlagschefin Marika Bark gegenüber der Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter.

Von verschleierter Reklame will Bark aber nichts wissen. Sie betont, dass weder der Verlag noch die Zeitschrift in irgendeiner Weise politisch Stellung nehmen wollten. Schon gar nicht in der in Schweden derzeit heißen Debatte über Filesharing. Natürlich sei es für die Verlagsprodukte eine Selbstverständlichkeit auf der Seite des Gesetzes zu stehen: „Aber allein, dass der Eindruck erweckt werden könnte, wir würden da konkret Position beziehen, ist unglücklich.“

Etwas anderes, als dass diese Geschichte im Hinblick auf die aktuelle Piratendebatte in voller Absicht ins Heft gehoben wurde, kann sich jedoch Fredrik Strömberg, Vorsitzender des schwedischen Verbands der Comichefte-Fans „Seriefrämjandet“ und Verfasser eines Buches über Propaganda in Comicserien schwer vorstellen: „Vom Anfang bis zum Ende ist das Indoktrination mit dem erhobenem Zeigefinger.“

Der Comic sei offenbar nur gezeichnet worden, um eine Botschaft zu vermitteln. Er sei weder unterhaltend, lehrreich noch interessant, sondern so dick aufgetragene Propaganda, wie er sie in ähnlicher Form in Kalle Anka eigentlich noch nie gesehen habe: „Eine Wahrheit wird serviert, die man nicht infrage stellen kann.“

Jedenfalls im Internet wurde diesem Manko allerdings mittlerweile abgeholfen. Zwei Fassungen des Comics mit in die Sprechblasen geschriebene „korrigierte Wahrheiten“ kursieren auf piratennahen Seiten: In einer sind Tick, Trick und Track Mitglieder der Piratenpartei und gewinnen Onkel Donald als Sympathisanten.

In der anderen ist Donald Duck ein Kämpfer für freie Kultur im Internet, den seine Neffen – „wir finden es wichtig, dass es Gesetze gibt, die unsere Freiheit begrenzen“ - dann für das Linsengericht einer DVD an den Medienkonzernchef Dagobert verraten.

Und während die letzten Exemplare des Disney-Heftes mit „En laddad affär“ („Ein geladenes Geschäft“) auf den Seiten 35 und 36 noch am Kiosk liegen, erhob, wie es der Zufall eben so will, Medienmulti Disney zusammen mit anderen US-Filmkonzernen in dieser Woche in Stockholm eine neue Klage gegen die Filesharing-Seite „Pirate Bay“.

Dort, so die Begründung, seien immer noch Filme zum illegalen Download zu finden und unabhängig von dem laufenden Berufungsverfahren und dem anstehenden Verkauf der Seite will man den Betreibern dies in einem gesonderten Verfahren nochmals gerichtlich verbieten lassen. „Another day in the soap opera“, kommentiert „Pirate Bay“-Sprecher Peter Sunde. Und Material für einen neuen Comic-Strip? Stöhn!

 
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