Absatz steigt um 40 Prozent

Fair Gehandeltes hoch im Kurs

Nach einer aktuellen Verbraucherstudie nimmt der Absatz von fair gehandelten Produkten rasant zu. Als Vertriebsweg bleiben Weltläden wichtig.

Der Absatz fair gehandelter Produkte in Deutschland ist im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent gestiegen. Nach Zahlen einer gestern in Berlin vorgestellten Verbraucherstudie des bundesweiten Netzwerks Forum Fairer Handel wurden 2008 insgesamt fairer Kaffee, Saft oder Zucker für 266 Millionen Euro verkauft. Lebensmittel machen dabei mit 80 Prozent immer noch einen Großteil des Umsatzes im fairen Handel aus.

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Besonders erfolgreich sind laut der Studie Produkte, die eines der von den Fair-Handels-Importeuren wie Gepa, El puente, dwp, Globo oder Banafair ausgegebenen Labels tragen. Insgesamt arbeiten weltweit 820 Kleinbauernorganisationen und Plantagen unter Fairtrade-Standard.

Die Wirtschaftskrise beeinträchtigt die Bereitschaft zum Kauf fairer Produkte laut Studie kaum. "Trotz der Wirtschaftskrise oder gerade wegen der Wirtschaftskrise kommt das Geschäftsmodell des fairen Handels gut an", erklärt Hans Christoph Bill, der Vorsitzende des Forums fairer Handel. Beim fairen Handel gehe es nicht um Profit, sondern um Dialog und Gerechtigkeit.

44 Prozent der für die Studie befragten Deutschen gaben an, zumindest gelegentlich fair gehandelte Produkte zu kaufen; zudem hielten rund 30 Prozent der Nichtkäufer das Konzept der gerechten Einkaufspreise zumindest für "unterstützenswert".

Die positive Absatzentwicklung sei auch damit zu erklären, dass sich die Verkaufsmöglichkeiten von fair gehandelten Produkten vervielfacht haben, sagt Volkmar Lübke, Verbraucherexperte und Autor der Studie: Käufer müssen nun nicht mehr unbedingt in den Dritte-Welt-Laden gehen, um gerecht einzukaufen, sondern können Fair-Trade-Artikel verstärkt in Discount-Ketten erwerben. Allerdings bleiben die Weltläden laut Forum Fairer Handel der wichtigste Vertriebsweg, gefolgt vom Lebensmitteleinzelhandel. Obwohl der Naturkosthandel nur zu sieben Prozent am Umsatz beiträgt, spielt die ökologische Landwirtschaft auch eine große Rolle: rund drei Viertel aller fair gehandelten Lebensmittel wurden kontrolliert biologisch erzeugt.

Die "altruistische Motivation beim Kauf von fair gehandelten Erzeugnissen" sei nicht zu unterschätzen, meint Studienautor Lübke. "Die Vermeidung von Kinderarbeit, die richtige Verwendung des Geldes und die Unterstützung der Produzenten in ärmeren Ländern werden mit Abstand am Häufigsten als Kaufgründe genannt."

Dies sei wichtig, denn die weltweite Finanzkrise treffe den Kleinbauern in Mexiko oder die Rosenschneiderin in Tansania besonders hart. Steigende Preise für Nahrungsmittel, Brennstoff oder Dünger führten zu Hunger und Durst, zumal der Zugang zu Krediten in den ärmsten Regionen der Welt für Bedürftige so gut wie unmöglich geworden sei.

Der faire Handel bietet neben langfristigen, zuverlässigen Lieferbeziehungen und gerechten Preisen auch die Möglichkeit der Vorfinanzierung, die in der aktuellen Lage viele Leben retten kann. Das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das die aktuelle Verbraucherstudie förderte, sah im fairen Handel unlängst "ein hervorragendes Mittel der Armutsbekämpfung". Dies trifft offensichtlich mit der subjektiven Wahrnehmung vieler Verbraucher zusammen. Auf die Frage, wie man sich in Deutschland am besten gegen Armut in Entwicklungsländern engagieren könne, landete der Kauf von fair gehandelten Produkten mit 39 Prozent auf dem ersten Platz, vor Spenden oder Formen des freiwilligen Engagements von Unternehmen.

 

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