Freiräumler ohne Raum

AKTIONSTAGE Neun Tage lang wollen Linke für Freiräume in Berlin werben. Das Problem: Keine zwei Wochen vor Beginn hat das „Intersquat-Festival“ noch keinen Veranstaltungsort

VON KONRAD LITSCHKO

Keine zwei Wochen sind es mehr bis zum Start – doch das Intersquat-Festival steht noch immer ohne Veranstaltungsort da. Seit Wochen sind die linksalternativen Freiraum-Aktivisten auf der Suche, hatten mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und dem Liegenschaftsfonds verhandelt – erfolglos. Das Festival soll vom 10. bis 19. September eine Plattform bieten, um „Utopien eines selbstbestimmten Lebens“ zu diskutieren.

Am Montag hatte sich das Veranstalterteam erneut mit Franz Schulz (Grüne), Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, getroffen. Der hatte das Gelände des Alten Schlachthofs am S-Bahnhof Storkower Straße favorisiert. Dagegen habe sich aber die Senatsverwaltung für Finanzen ausgesprochen, so Schulz zur taz. Gründe für die Ablehnung habe er nicht erhalten. Bei der Verwaltung war am Montag keine Stellungnahme zu erhalten.

„Es ist ein Unding, dass wir seit Wochen hin- und hergeschoben werden“, klagt Eric vom Intersquat-Team. Das Festival sei eine selbstorganisierte, kulturelle Bereicherung für die Stadt. Deshalb sollte diese ihnen auch entgegenkommen. Nun setze man die Hoffnung auf ein Gespräch mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Dienstagnachmittag.

Ziel des Intersquat-Festivals sei es, selbstbestimmte Alternativen des Zusammenlebens aufzeigen sowie Freiräume frei von Diskriminierungen, heißt es in einem Aufruf. Dabei wolle man auch von Hausprojekten im Ausland lernen und sich vernetzen. Im Jahr 2008 fand das Intersquat in Paris statt, 2009 in Rom. Erst im Juni dieses Jahres gab es eines in Barcelona. Etwa 1.000 Leute seien täglich aufgekreuzt, so Eric. „Das ist auch unsere Zielmarke für Berlin.“ 300 internationale Teilnehmer würden erwartet.

Geplant sind Diskussionen zu Hausbesetzungen und Polizeirepression, Workshops zu Streetart oder „lockpicking“, dem Öffnen von Türschlössern, Selbstverteidigungstraining, die Gründung eines Gartenkollektivs und ein Umsonstflohmarkt. Dazu kommen Demonstrationen, Fotoausstellungen, Konzerte und Partys. „Das Intersquat wird das, was die Leute draus machen“, betont Eric. Alles sei nach dem „Do it yourself“-Prinzip geplant, jeder könne Aktionen einbringen.

Im Zentrum sollen die zunehmenden Probleme für Freiräume stehen, so die Veranstalter. Gerade in Berlin sei die Lage akut. Das Hausprojekt Liebigstraße 14, die Rigaer 94, der Linienhof, der Umsonstladen in der Kastanienallee, das Tacheles – alle räumungsbedroht. Darauf wolle man aufmerksam machen und Gegenstrategien entwickeln.

Bereits 2008 gab es in Berlin „Freiraumtage“. Nach einer von der Polizei geräumten Spontanbesetzung kam es in den Folgetagen immer wieder zu Kleinkrawallen. Die Polizei zählte am Ende knapp 80 Straftaten. Laut Bürgermeister Schulz ist es im Interesse aller, eine Geländelösung fürs Intersquat zu finden, um dieses nicht bereits mit einer Konfliktsituation zu beginnen. „Wenn so was friedlich verläuft, sollte auch für solch ein Festival in der Stadt Platz sein.“

Die Veranstalter betonen, dass diesmal alles weniger aktionsorientiert sei. „Fakt ist, dass demnächst hunderte Menschen nach Berlin kommen“, so Eric. Sollte bis dahin kein Gelände vorliegen, müssten diese sich eines suchen. Will heißen: besetzen.