Wellington ist ein feiner Duft

GERUCHSODORAMA Für das passende Parfüm oder Aftershave braucht’s ein feines Näschen und ein Spezialgeschäft wie „The English Scent“ in Charlottenburg

Parfums sind eine schöne Luxusinsel, auf der man sich allerdings auch verloren vorkommen kann. Gern hätte man etwas Tolles, aber im Lafayette zum Beispiel kann man sich überhaupt nicht entscheiden. Das Aftershave ist alle, und die Parfümabteilung macht einen wahnsinnig!

Eine Weile hatte ich stattdessen Eau de Cologne genommen. Marke „Wild Fern“ von Geo F. Trumper. Der ehedem umherschweifende Haschrebell Bommi Baumann hatte mich vor vielen Jahren mit diesem hervorragenden Produkt bekannt gemacht, als Geburtstagsgeschenk in jenem Jahr, in dem ich sozusagen sein Sekretär gewesen war. Meine Aufgabe war es, ihm bei einem Buch über Drogen und Terrorismus zu helfen. Irgendwann trennten sich unsere Wege, wegen irgendwelcher Differenzen. Aber lehrreich war’s trotzdem, und sein Buch „Rausch und Terror“, das 2007 im Rotbuch-Verlag erschien, ist prima geworden. Seine Auftritte sind auch immer klasse. Nachdem er viele Jahre gedrogt und getrunken hatte, aber wegen Lebensgefahr nichts mehr nehmen durfte, hatte Baumann begonnen, sich mit Parfüms zu beschäftigen. Die berühmtesten Herrenduftgeschäfte der Welt schickten ihm Proben. So auch Geo. F. Trumper.

Legendäres Geschäft

Das legendäre Herrenduftgeschäft aus London wurde 1875 gegründet. Es liegt in der Curzon Street und hat auch Seifen und Rasierpinsel im Angebot. Nachdem das mir von Bommi geschenkte Aftershave alle war, hatte ich eine Freundin in London. Ich kaufte mir das Rasierwasser direkt in dem wunderbaren Geschäft am Hyde Park. Gerade, wenn man kaum Geld hat, ist es sehr schön, viel für ein After Shave auszugeben. Und als die Freundin wieder weg war, hatte mir ein anderer Freund mehrmals „Wellington“ von Trumper geschenkt – auch ein feiner Duft.

Es ist nicht einfach, die Besonderheit der englischen Düfte zu beschreiben. Irgendwann im letzten Jahr war alles alle. Aus Sehnsucht nach „Wild Fern“ war ich dann zum ersten Mal in das auf englische Düfte spezialisierte Geschäft „The English Scent“ in Charlottenburg gefahren. „The English Scent“ ist eines der schönsten Geschäfte der Stadt. Dort erfuhr ich, dass die Produktion von „Wild Fern“ als Aftershave eingestellt worden war. Lothar Ruff, der so elegante wie humorvolle Geschäftsinhaber, bedauerte das. Zum Glück hatte er aber noch „Wild Fern“ als Eau de Cologne, das ich mir gleich kaufte. Es riecht zwar genauso, ein jeder weiß doch, dass ein Eau de Cologne ein Aftershave auf die Dauer nie wirklich ersetzen kann.

Und nun – siehe oben – fuhr ich wieder zu „English Scent“. Auf der Suche nach einem neuen Aftershave, etwas Ähnlichem wie „Wild Fern“. Lothar Ruff hatte auch schon eine Idee. Er nebelte mich mit einer eleganten, S-förmigen Bewegung mit „Park Royale“ ein. Ich solle nun eine Viertelstunde spazieren gehen, um zu gucken, ob mir der Duft auch gefiele.

Auf meinem kleinen Spaziergang traf ich Klaus Wowereit. Er stand mit drei Freunden an einem runden Tisch und trank Bier. Aber wahrscheinlich war er es doch nicht. Manchmal roch ich an meinem Handgelenk. Der Duft war zwar strenger als die Trumper’schen Produkte, aber doch okay. Herr Ruff schenkte mir noch eine Seife zum Abschied. Als ich einer Freundin mein neues Aftershave vorführte, sagte sie, ihr Opa habe so ähnlich gerochen.