„Das wird keine Mösenrevue“

Neue Inszenierung der „Feuchtgebiete“

taz: Herr Dorsch, Sie inszenieren die „Feuchtgebiete“. Woher kommt deren Erfolg?

Peter Dorsch: Es hat den Porno-Effekt: Nach 15 Minuten hab ich mir einen runtergeholt und bin gelangweilt. Das Buch ist reiner Populismus.

Und der färbt nun auf Sie ab.

Klar, so viel Presserummel hatte ich bei keinem anderen Stück.

Was halten Sie von den bisherigen Inszenierungen?

Die halte ich in ihrem Hyper-Realismus für misslungen.

Wie ist Ihr Weg?

■ leitet die „Theater Liga“. Der gelernte Maschinenbauer schrieb die „Feuchtgebiete“-Adaption in nur vier Tagen.

Ich breche die Vorlage, wo es geht. Mein Stück ist reifer und lebt von der Reibung mit dem Text. Ich mache eine Coming-of-Age-Geschichte draus. Das wird keine Mösenrevue.

Wie kamen Sie zum Thema?

Ein Kumpel hat mir das Buch geschenkt, mit den Worten: „Das ist genau dein Humor“. Ich hab’ mal im Sexshop gearbeitet. Das Buch fand ich teils eklig, teils langweilig, aber es hat mich fasziniert. Es ist ein Kind unserer Zeit.

Was würde Charlotte Roche zu Ihrer Inszenierung sagen?

Sie wäre überrascht. Wir haben Lacher und Tiefgang, insgesamt eine rundere Sache als das Buch.

Am Samstag ist Namenstag für Charlotte.

Das wusste ich nicht.

Erwarten Sie einen Skandal?

Nein, das Buch ist den meisten bekannt. Die Inszenierung ist locker, aber nie peinlich. Ich habe die Schauspieler aber vor ungewohnten Reaktionen der Zuschauer gewarnt. Man weiß oft nicht, ob man lachen oder kotzen soll.