Ein Leben ohne Glutamat? Niemals!

Der neue Animationsfilm aus dem Dreamworks-Studio: „Ab durch die Hecke“ von Tim Johnson und Karey Kirkpatrick

Geschwindigkeit ist keine Hexerei, wissen Zeichentrickfilmer, sondern ein großer Spaß. Wenn ein manisch-hyperaktives Eichhörnchen nach der Einnahme eines koffeinhaltigen Softdrinks so schnell ist, dass es den Strahl einer Lichtschranke überholt, dann haben wir es mit wunderbar abstrusem Slapstick zu tun – und natürlich mit einer Persiflage auf „Mission: Impossible“ und Superheldenfilme.

„Ab durch die Hecke“ von Tim Johnson und Karey Kirkpatrick ist der neue Animationsfilm aus dem Dreamworks-Studio. Er zeichnet sich durch eine große Rasanz aus und schwelgt in Hyperbolismen. Als ein Waschbär eine Chipstüte öffnet, löst er eine Geruchsexplosion aus, die noch im Weltraum zu sehen ist. Prompt sind die Waldtiere angefixt und können sich ein Leben ohne Glutamat nicht mehr vorstellen. Solche bitterbösen, ironischen Zuspitzungen gab es zuletzt bei Tex Avery und Chuck Jones – Animationslegenden aus den 30er-Jahren.

Das Drehbuch fußt auf einem Comicstrip von Michael Fry und T Lewis, der seit 1995 in den USA erscheint. Die Hauptpersonen sind der Waschbär und die Schildkröte, die die menschlichen Vorstadtbewohner wie ethnologische Objekte betrachten, voller Befremden über deren Eigenarten und vor allem deren verschwenderischen Umgang mit Ressourcen. Der Waschbär führt eine Gruppe von Waldbewohnern, deren Biotop jetzt vier Millimeter hoher Rasen sein wird, in ihren neuen Lebensraum. Als sie zum ersten Mal einen Geländewagen sehen, sind sie über dessen Größe bass erstaunt. „Und wie viele Menschen sitzen da drin?“ „Normalerweise nur einer“, weiß der Waschbär als erfahrene Müllsammler und also „Kulturfolger“. Witze, die auch aus Old Europe stammen könnten.

Doch die Geschichte des Films ist alles andere als witzig. Denn der Waschbär ist ein Verräter, durchtrieben, heuchlerisch, gierig und sogar gemein. Er nützt die Sammlerfähigkeiten der Schildkröte und seiner Kumpane aus, um an die Vorräte der Menschen zu kommen. Die braucht er, um sie einem Grizzly zu geben, dessen Vorräte er stehlen wollte und – urkomisch inszeniert – sie dabei zerstörte. Aber dann nehmen die Tiere ihn auf in ihren solidarischen Familienverbund. Die Wandlung zum Guten erfolgt in mehreren Etappen, eher situativ als normativ. Erst als der Grizzly ihn für seine Durchtriebenheit lobt, setzt er alles wieder aufs Spiel – und gewinnt. Trotz dieses moralisch korrekten Happy Ends entfernt sich das Drehbuch angenehm von den Filmen aus dem Disney-Studio, das immer noch in einem wenig überzeugenden Kindchenschema von Gut und Böse verharrt. Also kein Film nur für ganz kleine Zuschauer – was als Lob gemeint ist.