Die Forscher suchen einen Gentest für geistige Behinderung

DAS PROJEKT An dem Netzwerk Mentale Retardierung sind Institute von sieben Unis beteiligt. Finanzielle Mittel kommen vom Forschungsministerium

Im Netzwerk Mentale Retardierung (MRNET) kooperieren Humangenetik-Institute von sieben deutschen Universitäten mit weiteren wissenschaftlichen Partnern. Ihre Aktivitäten werden seit April 2008 vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert – zunächst für drei Jahre, mit 4 Millionen Euro.

Warum diese Forschung notwendig sein soll, erläutert das MRNET auf seiner Website www.german-mrnet.de: „Mentale Retardierung (MR) betrifft etwa 2 Prozent der Bevölkerung und ist der bedeutendste einzelne Kostenfaktor im Gesundheitswesen.“ Kennzeichnend für MR seien eine „deutlich unterdurchschnittliche Intelligenz“ sowie „Einschränkungen in zwei oder mehr sozialen Fertigkeiten“. Verbundkoordinator André Reis sagt: „Wir betrachten die Entwicklungsverzögerung als eine Erkrankung.“

Bisher sind nur wenige Gendefekte bekannt

In der „Mehrzahl der Fälle“ liegt nach Einschätzung der Genforscher eine „genetische Ursache“ vor, „wobei bisher aber nur wenige Gendefekte bekannt sind“. Bei ungeklärter Ursache könne Betroffenen und ihren Familien bisher „weder eine adäquate Prognose und Therapie noch eine fundierte genetische Beratung und auch keine Pränataldiagnostik angeboten“ werden, schreibt das MRNET.

Erklärtes Ziel der Forscher ist „die systematische Identifizierung von Genen für MR“. Zudem soll die Funktion der Proteine untersucht werden, „die von diesen Genen abgelesen werden“. Professor Reis sagt: „Es gibt wahrscheinlich über tausend mutierte Gene, die geistige Behinderung machen können.“

Die beteiligten Zentren sollen eine „standardisierte Patientencharakterisierung“ ebenso gewährleisten wie die Vergleichbarkeit der eingesetzten molekularen Analyseverfahren.

Netzwerker wie Professor Hans-Hilger Ropers vom Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik hoffen, dass am Ende der systematischen molekularen Aufklärung kognitiver Störungen „ein einziger diagnostischer Test für alle genetisch bedingten Formen der geistigen Behinderung stehen wird“. KPG