Studie über US-Verhörmethoden

CIA folterte bis zum Hirnschaden

Die Folter-Verhöre des US-Geheimdienstes CIA haben einer Studie zufolge bei Befragten zu bleibenden Schäden geführt. Die Methoden seien selbst für das Verhörziel kontraproduktiv gewesen.

Die berüchtige Foltertechnik "Waterboarding" (simuliertes Ertränken) - hier nachgestellt in einem Film der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.  Bild:  dpa

WASHINGTON ap | Die von US-Präsident Barack Obama abgeschafften harschen Verhörmethoden des Geheimdienstes CIA haben einer Studie zufolge bei den betroffenen Verdächtigen bleibende Schäden angerichtet. So seien bei Terrorverdächtigen wahrscheinlich Erinnerungsvermögen und Hirnfunktionen beeinträchtigt und damit ihre Fähigkeit vermindert worden, genau die detaillierten Informationen zu geben, die die CIA haben wollte. Das geht aus einer Studie irischer Forscher hervor, die am Montag in dem Wissenschaftsmagazin "Trends in Cognitive Sciences" veröffentlicht wurde.

 

Die vom damaligen Präsidenten George W. Bush genehmigten harten Verhörmethoden wie das Ertrinken simulierende sogenannte Waterboarding habe die Fähigkeit der Vernommenen gemindert, sich detaillierte Informationen merken und diese abrufen zu können. Derart unter Druck gesetzte Verdächtige könnten dann versucht haben, Erinnerungslücken irgendwie auszufüllen - dieses Phänomen ist beispielsweise bei Alzheimer-Patienten als konfabulieren bekannt. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass die von Obama als Folter bezeichneten Verhörmethoden genau das Gegenteil bewirkten, was das Verhör bewirken sollte: verlässliche Informationen zu generieren.

 

In dem Bericht schreibt Professor Shane O'Mara vom Institut für Neurowissenschaft, die in der Bush-Ära angewandten harschen Verhörmethoden beruhten offenbar nicht auf den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen darüber, wie Erinnerung und kognitive Gehirnfunktionen arbeiteten. CIA-Techniken wie langer Schlafentzug, die Fesselung in schmerzhaften Körperhaltungen, das Ausnutzen von Ängsten der Gefangenen und Waterboarding seien für das Verhörziel biologisch kontraproduktiv gewesen.

 

"Gründliche wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie extremer Stress und Schmerz das Gedächtnis und ausführende Funktionen (wie Planung) beeinflussen, legen nahe, dass diese Techniken wohl nichts anderes produzieren als das Gegenteil von dem, was Ziel der Vernehmung mit Zwang war", heißt es in der Veröffentlichung des irischen Trinity College.

Autor O'Mara sagte, offenbar sei die US-Regierung davon ausgegangen, dass die Verhörmethoden keine Auswirkungen auf das Gedächtnis hätten bzw. sogar das Abrufen von Erinnerungen erleichterten. Dies gehe aus den im April veröffentlichten internen Unterlagen hervor, mit denen die Bush-Regierung die Methoden rechtfertigte.

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