Stunk am Nichtraucher-Tisch

SUCHT Weil Nichtraucherschützer das Gremium politisch nutzen, löst die Gesundheitsverwaltung die Projektgruppe Berlin Qualmfrei auf. Hintergrund ist die Kritik an RBB-Programmdirektorin Nothelle

VON KIM TRAU

Berlins Nichtraucherlobbyisten schlagen Alarm: Die Projektgruppe Berlin qualmfrei sei von der Senatsverwaltung für Gesundheit handstreichartig aufgelöst worden, kritisierte am Freitag Johannes Spatz, Vertreter der Initiative Forum Rauchfrei und altgedienter Rauchgegner. Dieses Vorgehen sei klar undemokratisch gewesen. Dagegen erklärte die Drogenbeauftragte des Senats, Christine Köhler-Azara, die Projektgruppe sei in ihrer Arbeit durch den Nichtraucherlobbyisten Spatz blockiert worden. Man habe sich schließlich nicht mehr anders zu helfen gewusst, als die Zusammenarbeit zu beenden.

Hintergrund des Konflikts ist die anhaltende Kritik des Forums Rauchfrei an der Journalistin Claudia Nothelle. Die RBB-Programmdirektorin ist ehrenamtliche Kuratoriumsvorsitzende der Berliner Krebsstiftung, welche zur Berliner Krebsgesellschaft gehört – und die ist Mitglied von Berlin qualmfrei. Gleichzeitig sitzt Nothelle in der Jury des „Liberty Award“, einem von der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH gestifteten Journalistenpreis.

Für Johannes Spatz ein schwerer Interessenkonflikt: „Die Tabakindustrie erhält so die Möglichkeit, sich als ein Wohltäter zu inszenieren, der nicht verantwortlich ist für Krankheit und Tod.“ Es sei erschreckend, dass ein derartiges Engagement eines Zigarettenherstellers wieder hoffähig werde. Er habe deshalb seit Monaten versucht, die Krebsgesellschaft aus der Projektgruppe ausschließen zu lassen.

Auch die Landesdrogenbeauftragte sieht Kooperationsangebote der Tabakindustrie kritisch: „Die schaden mehr, als sie nützen“, so Köhler-Azara zur taz. Sie selbst habe solche Angebote immer abgelehnt und anderen Verwaltungen empfohlen, darauf zu verzichten. Auch hinsichtlich personeller Doppelrollen sei sie auf Spatz’ Seite. Aufgabe der Gruppe sei aber nicht gewesen, in andere Organisationen hineinzuregieren, sondern konkrete Präventionsmaßnahmen zu schaffen. Laut Köhler-Azara soll sich die Projektgruppe neu konstituieren – mit einem Regularium, das solche politischen Debatten ausschließen würde.

„Keine endlosen Debatten“

Das Programm Berlin qualmfrei ist an der Fachstelle für Suchtprävention angesiedelt und soll möglichst viele Akteure des Nichtraucherschutzes unter einem Dach vereinen, auch Schulen, Sportverbände und Nachbarschaftheime. Auch Fachstellenleiterin Kerstin Jüngling kritisiert, die Projektgruppe habe sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt. „Für das Programm gibt es keinen einzigen Cent, da können wir uns keine endlosen Grundsatzdiskussionen leisten.“