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Deutschland an der Wand

Ganz Deutschland wedelt mit dem Lappen. Ganz Deutschland? Nein. Im urbanen Dorf zwischen Wasserturm, Heiligengeistfeld und Stresemannstraße gehen nachts Grüppchen umher, die den Fußball-Touris das Fähnchen vom Benz abknicken und bereits zweimal eine hausgroße Flagge zerstört haben.

Das Dorf heißt Schanzenviertel und die Riesen-Flagge besteht aus drei bunten Netzen der Firma „rk-Planen“. Sie und die Gerüstbaufirma Peters haben ein schwarzes, ein rotes und ein gelbes Netz vor das Gerüst am Haus Schulterblatt Nr. 80 gehängt. Die Verwaltung fand es super, die Mieter wurden allerdings nicht gefragt.

Einen Tag später hat jemand mit schwarzer Fingerfarbe „Patrioten sind Idioten“ auf das gelbe Netz gemalt. Rk-Planen kam mit einem neuen. Am nächsten Morgen war es weg. Rk-Planen kam wieder mit einem. Das war gestern Vormittag.

Als das gelbe Netz fehlte, blieben die Farben der Anarchisten übrig: Schwarz und Rot. „150 bis 200 Euro kostet das jedes Mal“, sagt Gerüstbau-Firmen-Inhaber Frank Pape. „Ich verstehe das nicht, ich gehe ja auch nicht hin und schmiere was an die Wände“, auch wenn ihm einiges nicht gefalle, in diesem Viertel da.

Ein paar Häuser das Schulterblatt hinunter hofft Buchhändler Thomas Schultze auf ein baldiges Ausscheiden dese deutschen Teams. Einmal um die Ecke bittet die Kneipe Fritz Bauch ihre Gäste, „Winkehände, Zylinder, Flaggen und sonstigen Firlefanz“ zur Aufbewahrung oder Entsorgung dem Tresenpersonal zu übergeben. Auf den Bierdeckeln steht: „Patrioten sind Idioten“. maf