Kommentar von BETTINA GAUS
Wer sich - und sei es im weitesten Sinne - dem linksliberalen Lager zugehörig fühlt und Schadenfreude über den Niedergang der SPD empfindet, sollte das Gefühl genießen. Lange anhalten wird es nämlich nicht. Es geht bei Wahlen nicht darum, jemandem endlich mal zu zeigen, was eine Harke ist. Es geht um konkrete Machtfragen und um politische Entscheidungen, von deren Auswirkungen viele Leute unmittelbar in ihrer Existenz betroffen sind. In dieser Hinsicht gibt es keinerlei Anlass zur Genugtuung.
Die schwarz-gelbe Koalition weiß, wofür sie gewählt wurde, und sie wird die Erwartungen erfüllen. Was bedeutet: In der Umweltpolitik und auch in der Außenpolitik werden Interessen der Großkonzerne noch stärker berücksichtigt werden. Verursacher und Profiteure der Krise bleiben von den Kosten verschont, die Zeche zahlen die berühmten "kleinen Leute". Sozialleistungen werden abgebaut. Verteilungskämpfe werden sich verschärfen. Wer jetzt noch glaubt, es mache doch eigentlich keinen Unterschied, ob die SPD oder die FDP mitregiert, wird viele Überraschungen erleben.
Wenn ein Horizont so trübe ist, dann kann man es für zynisch halten, dort noch Silberstreifen erkennen zu wollen. Dennoch gibt es sie, auch wenn sie sehr matt schimmern. Der eine: Es ist erfreulich, dass selbst in einer Fünfparteienlandschaft nicht immer und automatisch eine große Koalition die Regierung übernimmt. Wenn die Bevölkerung das Gefühl hat, es sei doch eigentlich egal, für wen sie stimme, weil sowieso immer dasselbe herauskommt, dann führt dies zu einer politischen Apathie auch zwischen den Wahlen. Das aber wäre fatal, gerade angesichts der Bedeutung der anstehenden Entscheidungen.

Bettina Gaus ist politische Korrespondentin der taz. Foto: taz
Der zweite Silberstreif: Jetzt, wo die Fronten klar sind, steht zu hoffen, dass einige Organisationen außerhalb des Parlaments ihre Kampagnenfähigkeit zurückgewinnen. Die Gewerkschaften, die Globalisierungskritiker, die Anti-Atom-Bewegung, vielleicht sogar die Friedensbewegung. Politisches Handeln wird sich in verstärktem Maße wieder auf die Straße verlagern. Interessierte, die der Parteien überdrüssig sind, werden zahlreiche Möglichkeiten finden, aktiv zu werden. Und wenn der Druck groß genug wird, muss Protest nicht einmal chancenlos sein. Allerdings ist all das ein schwacher Trost. Denn die Entscheidungen fallen eben trotzdem im Bundestag.
Bei der Neuwahl am 17. Juni dürfen die Rechten mit dem Einzug ins Parlament rechnen. Die bürgerlichen Parteien des Landes müssten eine Front gegen Rechtsradikalismus bilden. von Jannis Papadimitriou
Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

NRW hat gewählt. Die taz hat sich mal angeschaut, wie kreativ die Parteien waren und was das über die KandidatInnen aussagt.

„Verspätet“ – in Berlin trifft das nicht nur einzelne Flüge, sondern ganze Flughäfen. Und was passiert nun in der Hauptstadt?

Leserkommentare
29.09.2009 14:42 | Schwarz-Gelber Bösewicht
@Zing: ...
29.09.2009 13:29 | Maik
Liebe Leute, ich bin kein Fan der FDP. Aber, nicht vergessen, die Bahnprivatisierung ist ursprünglich ebenfalls ein rot/grü ...
29.09.2009 13:14 | tonikal
Gut gesprochen, Frau Gaus! ...