Ach, diese Namen immer auch: Die Blockflöte des Todes steht geschmackssicher am Abgrund und die Toten Crackhuren bollern Discopunk

Musik ist, wenn man trotzdem lacht. Allzu oft jedenfalls. Manchmal allerdings ist Musik tatsächlich lustig. Und auch so gemeint gewesen. Einen dieser seltenen Fälle gilt es nun wieder einmal zu bestaunen: Die Blockflöte des Todes ist schon mal mindestens der beste Bandname seit Furze. Aber im Gegensatz zu dieser Black-Metal-Band aus Norwegen ist der Humor von Matthias Schrei, der sich hinter dem Blockflöten-Pseudonym versteckt, kein unabsichtlicher.

Die Hälfte der Songs auf seinem ersten Album „Wenn Blicke flöten könnten“, und das ist vorbehaltlos als Lob gemeint, könnte auch von Funny van Dannen stammen. Aber die Blockflöte witzelt nicht nur textlich herum, sondern gleichfalls musikalisch: In „Du bist so schön wie ein Flughafen“ karikiert er ganz großartig den sperrigen Kunst-Punkrock der Goldenen Zitronen. Gleich anschließend werden mit „Jung & Schön“ noch 2raumwohnung nachgestellt und „Mädchen“ von Lucilectric zitiert. So eklektisch und geschichtsbewusst, so respektlos und anspielungsreich geht es fröhlich weiter. Dabei fallen haufenweise andere Opfer an: Wir sind Helden, Keimzeit und Clueso, Rudolf Hess und JB Kerner, der neue Feminismus, durch akute Angst vor Spritzen verhinderte Rock ’n’ Roller und von fiesen Hautkrankheiten geplagte Mitmenschen. Die Blockflöte des Todes macht vor nichts halt, nicht vor dem Lieblingsteddy und erst recht nicht vor der politischen Korrektheit. Trotzdem muss man sagen: Schrei hält überraschend souverän die schwierige Balance zwischen Scherz und Selbstbesinnung. Sein Humor ist niemals niederträchtig, aber durchaus beißend. Kurz und begeistert: Lange schon nicht mehr ist jemand so geschmackssicher durch die Abgründe des deutschsprachigen Humors in Liedform gesteuert.

Ähnliches lässt sich von T.C.H.I.K. nicht sagen. Das aber macht gerade wohl die Qualitäten dieser systematisch anarchistischen Chaostruppe aus. Die „Toten Crackhuren Im Kofferraum“ erheben die Provokation zum Lustprinzip, ohne sie aber selbst allzu ernstzunehmen. Sie wissen, welche reaktionären Reflexe das Konzept Mädchenband auch heute noch auslöst und spielen angriffslustig damit, indem sie Schlampen-Image und Dilettantismus verknüpfen, offensive Sexualität und bescheidene musikalische Fähigkeiten. Dass ihr nach einigem Hype nun erscheinendes Debütalbum „Jung, Talentlos & Gecastet“ die Leerstelle zwischen Disco und Punkrock nur notdürftig mit ungeschlachtem Geboller, möglichst laut gebrüllten Schimpfwörtern und von den Riot-Grrrls geklauten Slogans („Wir hassen Sport“, „Zieht eure T-Shirts aus“) füllt, darf man durchaus als Programm verstehen. Denn so wird der Hörer, der männliche zumindest, vor eine Entscheidung gestellt, bei der er nur verlieren kann: Findet man die Crackhuren scheiße, ist man Sexist. Findet man sie großartig, biedert man sich an.

Mit diesem Dilemma im Gepäck peilen The T.C.H.I.K. das Unmögliche an: zugleich Liebling von Bravo und Emma zu werden. Ein verwegener Plan. Aber ziemlich witzig.