Kommentar von DANIEL BAX
Er hat sich entschuldigt, und damit hätte man es bewenden lassen können. Doch Sarrazin hat in den fünf Monaten, in denen er bei der Bundesbank ist, mit umstrittenen Interviews mehr als einmal gegen den Kodex verstoßen. Nicht gegen den einer angeblich vorherrschenden Political Correctness. Sondern gegen den Kodex der Institution Bundesbank. Deshalb wurde er jetzt degradiert, und das ist auch gut so.
In jeder anderen Firma wäre ein Mitarbeiter, der seinen Geltungsdrang so offensichtlich über die Loyalität zu seinem Arbeitgeber stellt, sofort gefeuert worden. Sarrazin hat schließlich nicht bloß ein Brötchen von einem Buffet geklaut, das nicht für ihn gedacht war, sondern mit seinen rassistischen Äußerungen dem Ansehen der Bundesbank geschadet. Dass seine Ansichten offenbar von vielen Menschen in Deutschland geteilt werden, macht die Sache nicht besser. Denn anders als eine politische Partei - in Sarrazins Fall die SPD, deren Mitglied er ist - kann sich die Bundesbank nicht allein nach dem aktuellen Meinungsklima in Deutschland richten. Sie hat ihre eigenen Prinzipien, zu denen es zum Beispiel gehört, in politischen Fragen strikte Neutralität zu wahren. Und sie muss darauf achten, wie sie im Ausland wahrgenommen wird. Da ist es nicht gerade hilfreich, wenn ein Vorstand alles dafür tut, das Schreckbild des hässlichen Deutschen mit neuem Leben zu füllen.
Natürlich birgt die Entscheidung der Bundesbank die Gefahr, aus einer notorischen Krawallschachtel einen "Märtyrer der Meinungsfreiheit" zu machen. Dass Sarrazin überhaupt dazu stilisiert wird, ist das Verdienst jener Medien, die seine Tiraden zu einer Art höheren Weisheit verklärt haben. Habe er denn, so seine Fürsprecher in Spiegel, FAZ, Welt, Bild und Junge Freiheit, nicht nur ausgesprochen, was tatsächlich im Argen liege?

Daniel Bax ist Meinungsredakteur der taz. Foto: taz
Kaum ein Politiker, nicht einmal aus der Union oder der FDP, mochte sich diesem Urteil bislang anschließen, und auch Sarrazins Bundesbankkollegen sehen die Dinge zum Glück etwas anders. Zum Rücktritt bewegen konnten sie Sarrazin leider nicht, ihn wieder loszuwerden ist nicht ganz so einfach. Am Ende haben sie sich für einen Kompromiss entschieden, der einer faktischen Entmachtung gleichkommt. Damit haben sie mehr politische Vernunft, Verantwortungsgefühl, Augenmaß und Anstand bewiesen, als in so manchen Redaktionsfluren dieser Republik zu Hause ist.
Bei der Neuwahl am 17. Juni dürfen die Rechten mit dem Einzug ins Parlament rechnen. Die bürgerlichen Parteien des Landes müssten eine Front gegen Rechtsradikalismus bilden. von Jannis Papadimitriou
Weltraumtouristen, Satelliten und Versorgungsflüge zur ISS – die Raumfahrt wird privatisiert und kommerzialisiert.

Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

NRW hat gewählt. Die taz hat sich mal angeschaut, wie kreativ die Parteien waren und was das über die KandidatInnen aussagt.

„Verspätet“ – in Berlin trifft das nicht nur einzelne Flüge, sondern ganze Flughäfen. Und was passiert nun in der Hauptstadt?

Leserkommentare
17.10.2009 02:23 | aso
@ Arthur: ...
16.10.2009 17:44 | Arthur
@ Timo: ...
16.10.2009 17:39 | Arthur
@ aso ...