Lauwarme Puscheligkeit

PRODUKTTEST Wer im Winter kalte Füße hat, dem helfen auch keine beheizbaren Hausschuhe

Immerhin bin ich kein Tausendfüßler. Leider aber auch kein Flamingo, der eine seiner Gliedmaßen auf elegante Art warm halten kann, indem er sie unter sein rosa Gefieder steckt. Ich bin weiblich, rauche, trinke Kaffee, schlage beim Sitzen gerne die Beine übereinander und mache keinen Sport. Und ich habe einen Kollegen mit Frischluft-Tourette. Ich besitze zwei Füße, sie sind beide kalt. Von Anfang Oktober bis Ende März, das ist ein halbes Jahr und ein Problem.

Die Thermo-Slipper kosten 119 Euro und sind eine ästhetische Frechheit. Sie sehen aus wie eine Kreuzung aus Maulwurf und Golden Retriever, aber vielleicht muss ein richtiger Hausschuh einfach eine gewisse Puscheligkeit ausstrahlen, so dass man bei seinem Anblick sofort die Kleider fallen lassen und in die Jogginghose mit den Essensresten schlüpfen möchte. Ah, endlich Zuhause! Endlich wieder ungestört scheiße aussehen!

Aber ich teste die Schuhe im Büro und konzentriere mich auf das Wesentliche. Es wäre unfair, die Schuhe nur auf ihr Äußeres zu reduzieren. Mitgeliefert werden ein Adapter mit Y-Kabel und zwei 2.700 mAh Li-Ionen Polymer Akkus, und weil ich keine Ahnung habe, was das genau bedeutet, bin ich beeindruckt. Klingt nach Highspeed. Doch die zweite Enttäuschung ereilt mich beim Lesen der Bedienungsanleitung: Der Akku muss vor der ersten Benutzung acht Stunden geladen werden.

Am nächsten Tag bin ich gespannt wie eine Steckdose. Ich drücke die Ein/Aus-Taste. Durch wiederholtes Drücken lässt sich die Temperatur angeblich nach dem Ampelprinzip steuern: 34 Grad (grün), 39 Grad (gelb), 44 Grad (rot). Ich wähle rot; rot wie Feuer, rot wie die Liebe, rot wie Glühwein. Und warte. Irgendwann werden die Schuhe an der Oberseite ein bisschen warm. Lauwarm, um genau zu sein. Lauwarm ist schlimmer als kalt, lauwarm ist wie abgestandener Sprudel. Und obwohl angeblich „hoch flexible, nicht spürbare Heizelemente aus Karbonfasern“ in den gesamten Sohlen eingearbeitet sind, bleibt es von unten frisch.

Nach zwei Stunden geht das Licht aus und die Puschen müssen wieder für acht Stunden ans Netz.