Papst verhütet Kinostart der "Päpstin".von TANJA KOKOSKA

Gestrichene Kondomszene und verschobener Kinostart: "Päpstin"-Fans protestieren gegen Papst Benedikt. Bild: ap
Wenige Tage vor dem Kinostart der Roman-Verfilmung "Die Päpstin" hat Papst Benedikt XVI. in einem Brief an Regisseur Sönke Wortmann massive Kritik an dem Film geäußert. Nachdem er, der Papst, den Film bei einer exklusiven Preview in seinem vatikanischen Domizil gesehen habe, dränge es ihn, dem Gefühl des Anstoßes, das "dieses gotteslästernde Werk" bei ihm hinterlassen habe, Ausdruck zu verleihen. Nicht nur, dass eine ehemalige RAF-Terroristinnen-Darstellerin (die Schauspielerin Johanna Wokalek; Anm. d. Red.) eine Figur der Kirche mime, die es noch dazu überhaupt nicht gegeben habe. Überdies seien "mittelalterliche Praktiken" zu sehen, die Benedikt sich sogar scheue wiederzugeben. Ihrer weiteren Verbreitung werde er sich auch mit aller ihm verbliebenen Kraft entgegenstemmen.
Wortmanns Film erzählt die - historisch umstrittene - Geschichte der Päpstin Johanna von Ingelheim aus dem 9. Jahrhundert, die die US-amerikanische Schriftstellerin Donna Cross zu einem Millionen-Bestseller verarbeitet hatte. Eine Szene, die im Roman nicht vorkommt, hat der Erfolgsregisseur ("Der bewegte Mann"; "Das Wunder von Bern") als "zugespitztes stilistisches Mittel" ins Drehbuch genommen: die Penetration der Päpstin durch den Markgrafen Gerold, bei der ein als Präservativ zweckentfremdeter Schafdarm eine "unrühmliche" (Benedikt XVI.) Hauptrolle spielt: Johanna wird trotzdem schwanger. Ein anderer Umstand, der die katholische Kirche jedoch nicht besänftigt. Der Papst forderte, dass gerade in der Kultur ein "erneuertes sittliches Bewusstsein" angestrebt werden solle: "Wenn man bei den Kondomen ist, ist es schon zu spät." Zwar könne er, Josef Ratzinger, rein privat die Hingabe nachempfinden, die ein "strammer Bursche" wie Gerold-Darsteller David Wenham zu wecken in der Lage sei: "Er hat mir schon in ,Der Herr der Ringe' so gut gefallen." Dies werde ihn jedoch nicht davon abbringen, gegen die Veröffentlichung der Filmszene Klage bei teuflischen Mächten einzureichen, zu denen er gute Kontakte pflege. "Auf Sand baut derjenige, der nur auf die sichtbaren und greifbaren Dinge baut, auf den Erfolg, die Karriere, das Geld", warnte der Papst. Sein Brief endet mit einer "Empfehlung": Es bedürfe seitens Wortmann nun einer Geste der "wahren Freundschaft und Bereitschaft, Opfer zu bringen und persönliche Einschränkungen, um an der Seite der Leidenden zu stehen".
Der Verleih Constantin Film - in Untertänigkeit gegenüber Führer-Figuren geübt (siehe: "Der Untergang") - erklärte daraufhin umgehend, den Kinostart zu verschieben und die Szene ohne Kondom nachzudrehen. Man habe "keinesfalls die religiösen Gefühle eines ganz bestimmten Zuschauers verletzen wollen", hieß es. Zudem füge sich die Handlung nun noch besser in die historischen Zusammenhänge ein. Die Geschichte spielt kurz vor Beginn der sogenannten Pornokratie, während der sich diverse männliche Päpste der Macht von ranghohen und einflussreichen Mätressen unterwarfen - einer Epoche, der der heutige Papst "aufgrund anderslautender Vorlieben" offenbar nicht nachtrauere. Daher sehe der Verleih hier kein "weiteres Konfliktpotenzial".
Regisseur Sönke Wortmann ließ mitteilen: "Mir gefällt Sex im Film immer am besten, wenn irgendwas schiefgeht." Er sei es zudem gewohnt, sich mit dem Trainer vor Veröffentlichung abzustimmen. Auch 2006 bei seiner Fußball-WM-Doku "Deutschland - ein Sommermärchen" habe er befürchtet, "Jürgen Klinsmann würde nicht alles durchgehen" lassen. Bei "besonders intimen Situationen" habe er dem Spielerrat angeboten zu entscheiden, "ob das veröffentlicht werden darf". Und was für den Torhüter-Titan Oliver Kahn gelte, da dürfe "ein einfacher und bescheidener Arbeiter im Weinberg des Herrn" nicht hintanstehen.
Überdies bot Constantin Film "aus gegebenem Anlass" an, eine weitere fragliche Szene komplett zu streichen. Darin leugnet ein nebensächlicher Bruder Richard, dass es im 20. Jahrhundert einen Holocaust geben werde. Benedikt XVI. erwiderte knapp, solcherlei Voraussagungen seien ausschließlich jenen Propheten vorbehalten, die in der Bibel als von Gott berufen angesehen werden. Den Nachdreh der Kondom-Szene nehme er als Zeichen, "einen neuen christlichen Humanismus zu fördern, der klar und entschlossen der wahren Schönheit" entgegenstrebe. Der Tatsache, dass Kulturschaffende zunächst dazu neigten, "in künstliche Paradiese zu flüchten", stellte er die Erfahrung entgegen: "Man muss sich reiben, um neue Wege gehen zu können" - und erteilte dem Film schließlich seinen "apostolischen Segen".
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Leserkommentare
20.10.2009 20:16 | landorganist
Was soll dieser Artikel sein? Satire? Comedy? Klamauk? Nichts von alledem! Er ist einfach nur albern, albern und dümmlich. ...