Eine Outsiderin im Jazz-Instrumentarium

JAZZ Die Harfenistin Kathrin Pechlof stellte am Montag ihr Debütalbum „Imaginarium“ im Grünen Salon der Volksbühne vor

Eigentlich gelten im Jazz einigermaßen strenge Konventionen. Obwohl sich das Genre über die Jahre in immer neue Richtungen verändert und für neue Stile geöffnet hat, gibt es im Kern einen begrenzten Fundus an Instrumenten, die dort zum Einsatz kommen. So kann man überproportional mehr Saxofonisten im Jazz antreffen als Fagottisten, ebenso ist das Schlagzeug gebräuchlicher als die Kesselpauke oder die Gitarre verbreiteter als die Harfe.

Kathrin Pechlof, die am Montag im Grünen Salon der Volksbühne ein Konzert mit ihrem Trio gab, bildet mit ihrer Harfe im Jazz denn auch eine klare Minderheit, führt das Instrument in der improvisierten Musik doch üblicherweise ein Schattendasein. Zu größerer Bekanntheit hat es an diesem Zupfinstrument eigentlich nur Alice Coltrane gebracht, die in den sechziger Jahren im Quartett ihres Mannes John Coltrane als Pianistin mitwirkte und nach dessen Tod einige Meilensteine des kosmischen Free Jazz schuf. Neben der Harfe spielte sie allerdings auch Klavier und Orgel.

Die Harfe erscheint nicht so dynamisch – kaum klingt mal Swing durch

Im Unterschied zu Coltrane tritt Kathrin Pechlof ausschließlich an der Harfe in Erscheinung. Die klassisch ausgebildete Musikerin, die zudem Jazzkomposition studierte, ist eine Grenzgängerin anderer Art. Sie spielt sowohl die herkömmliche „klassische“ Musik für ihr Instrument als auch eine sehr eigene Version von Jazz, der weniger mit psychedelischer freier Improvisation als mit Neuer Musik und Impressionismus zu tun hat. Zu ihren bisherigen Partnern gehören gleichermaßen Genre-Experimentatoren wie das Andromeda Mega Express Orchestra und das Brandt Brauer Frick Ensemble – aber auch traditionelle Orchester.

So überraschte es vielleicht nicht sonderlich, dass die drei Musiker – neben Pechlof spielt in ihrem Trio der Saxofonist Christian Weidner und der Kontrabassist Robert Landfermann – ihr Programm weitgehend am Notenpult absolvierten. Man hatte fast den Eindruck, dass den improvisierten Anteilen deutlich weniger Raum zugestanden wurde als den spontanen Einfällen.

Das Kathrin Pechlof Trio musizierte dabei auf sehr hohem Niveau, mit einem technisch virtuosen Robert Landfermann, der zusätzlich zu den Saiten gern andere Partien seines Basses als Klangquelle einsetzte, und einem souverän beweglichen Christian Weidner, der seinem Altsaxofon wahlweise samtweiche Klänge oder klar-elegische Töne entlocken konnte. Im Vergleich dazu erschien die Harfe weitaus weniger dynamisch, mit einer relativ gleichförmigen Klangfarbe – und praktisch gar keinem Swing.

Die fehlende Flexibilität machte Pechlof durch komplexe Arrangements wett, in denen oft ungerade Taktmaße und rhythmische Verschiebungen unter den Instrumenten für musikalischen Fluss sorgen. Oder sie konzentrierte sich auf langsame, kammermusikalische Elegien, in denen stille Passagen dominieren. Die Melodien übernahm in der Regel das Saxofon, selbst Solo-Improvisationen gönnte sich Pechlof kaum. Das Ergebnis ist allemal ungewöhnlich und von einer spröden Schönheit, doch vielleicht hat sich Pechlof ein wenig zu enge Grenzen gesetzt.