Keine Zeit für Sozialwohnungen

STADTENTWICKLUNG Beim Neubauprojekt in der Großen Bergstraße versäumt das Bezirksamt, Auflagen zu machen. Darum gibt es keine günstigen Wohnungen

„Im Nachhinein können wir nichts mehr daran ändern“

Mark Classen, Bezirksabgeordneter

Im umstrittenen Neubau am Goetheplatz, der sogenannten „Bergspitze“, neben dem neuen Ikea-Möbelhaus, wird es keine einzige Sozialwohnung geben. Offenbar hat das Bezirksamt Altona versäumt, der Immobilienfirma Bruhn entsprechende Auflagen zu machen. Und das obwohl der Senat im Sommer 2011 mit den Bezirken vereinbart hat, in Bebauungsplänen einen Anteil von 30 Prozent Sozialwohnungen festzuschreiben.

Nach Anwohner-Protesten habe sich die Firma Bruhn entschlossen, kleiner zu bauen, als sie laut Bauplan eigentlich dürfte, sagt Geschäftsführer Kai Krahmer. Auf der 700-Quadratmeter-Fläche steht heute noch der zweigeschossige 70er-Jahre-Bau, der die „Preisoase“ beheimatete. Dazu hat das Unternehmen 500 weitere Quadratmeter öffentlichen Grundes gekauft, um dort ein wuchtiges Geschäfts- und Wohnhaus mit sieben Geschossen zu errichten: mit bis zu 60 Wohnungen und einer Kaltmiete um die zwölf Euro pro Quadratmeter.

Die Initiative Anna Elbe kritisiert, dass ein Argument für den geplanten Bau war, dass die Stadt bezahlbaren Wohnraum braucht. „Dass es keine Sozialwohnungen geben wird, ist natürlich ärgerlich“, sagt der SPD-Bezirksabgeordnete Mark Classen. „Aber im Nachhinein können wir nichts mehr daran ändern.“ Das Bezirksamt begründet das Versäumnis mit einem Zeitdruck. Laut dessen Sprecherin Kerstin Godenschwege wäre es deswegen nicht realisierbar gewesen, einen städtebaulichen Vertrag auszuhandeln. Das Bezirksamt habe einen dringlichen Beschluss von SPD, GAL und FDP umgesetzt. Die Baugenehmigung für das Neubauprojekt soll in Kürze erteilt werden.
LKA