„Ihr Schicksal ist ergreifend“

KRIEG Die Fuhlsbüttler Filmtage erinnern mit dem Film „Rottenknechte“ an Deserteure

taz: Warum zeigen Sie jetzt einen Film über Deserteure, Herr Senenko?

René Senenko: Wir als Willi-Bredel-Gesellschaft und Veranstalter der Filmtage sind maßgeblich beteiligt am Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal. Seit 2010 setzen wir uns für einen Erinnerungsort am Stephansplatz für die Opfer der Wehrmachtsjustiz ein. Die Kulturbehörde hat gerade einen Wettbewerb für ein Denkmal ausgelobt. Deswegen passen wir mit den Filmen gut ins Timing.

Man ist überrascht, dass es schon in den 60er- und 70er-Jahren Filme – und zwar positive – über Deserteure gab.

Das sind Ausnahmen geblieben. Die „Rottenknechte“ ist eine halbdokumentarische DDR-Fernsehproduktion in mehreren Teilen. Da wird auf authentische Ereignisse in den letzten Kriegstagen 1945 zurückgegriffen: Eine Meuterei in der Kriegsmarine, als Matrosen nicht mehr bereit waren, nach der Teilkapitulation in der Nordsee noch auszurücken. Es geht um das Schicksal mehrerer Meuterer, die alle zum Tode verurteilt und schließlich erschossen worden sind.

Wie war damals das Echo auf den Film?

■ 56, ist Mitglied der Willi-Bredel-Gesellschaft, die die Fuhlsbüttler Filmtage organisiert und ein Deserteursdenkmal fordert.

Er lief zwar zu bester Sendezeit, aber nie in den Kinos, insgesamt ist der Film selten gezeigt worden. Nach der Wende wurde er einmal im Fernsehen wiederholt. Aber er ist sehenswert: Das Schicksal dieser Matrosen ist wirklich ergreifend.

Wie ist heute das Interesse am Thema?

Es ist im Kommen begriffen. Das Echo auf unsere Veranstaltungen ist gemischt: Bei unseren Klotzfesten hatten wir ein gutes Publikum, aber man hätte doch mehr erwarten können. Ich glaube, dass durch den Wettbewerb zur Denkmalsgestaltung noch mehr Hamburgern die Bedeutung des Themas bewusst wird.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass es dabei so wenig Gegenwind gibt.

Das stimmt. Denn ein solches Denkmal hat auch eine Vorbildwirkung. Wenn man ein Deserteursdenkmal aufstellt, wird der heutige Soldat sagen: Mensch, die sind desertiert, welche moralischen Maßstäbe von damals sollte ich heute übernehmen? Ein solcher Soldat macht sich bewusst, wofür er heute in den Krieg zieht und fragt, ob er Befehle verweigern darf.

War das der Kulturbehörde bewusst, als sie sich der Initiative anschloss?

Das war und ist allen Beteiligten bewusst.