Den freien Künstlern fehlt eine grundlegende Kapitalismuskritik

Autsch, das tut weh

Kommentar von MAXIMILIAN PROBST

Die Geschichte um das Manifest der freien Kulturschaffenden entwickelt sich mehr und mehr zu einem Lehrstück über die Macht der Vereinnahmung und die Ohnmacht der Vereinnahmten. "Und wir sind nicht dabei", lautete die Kernaussage des Manifestes.

Was aber ist passiert? Zwei Tage später steht der Text im Abendblatt, Wort für Wort. In der Zeitung, die gerade Woche für Woche ihre Stadt-Hymnen anstimmt. "100 Dinge, die man in Hamburg erlebt haben muss", gestern Teil acht: Ein großer Artikel über den "Feinschmecker-Boulevard" im Alsterhaus. Ein kleiner Artikel über das "Uebel und Gefährlich", mit Foto des Betreibers, der bei der Vorstellung des Manifestes im Gängeviertel noch auf dem Podium saß. Besser lässt sich das "befriedete Fantasieland mit Blankenese und Schanze", wie es geißelnd im Manifest heißt, wirklich nicht illustrieren.

Warum diese Vereinnahmung so fingerspielend gelingt? Weil dem Manifest die Grundlage fehlt: eine handfeste Kapitalismuskritik.

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!