IMMER ÖFTER BESCHÄDIGEN KIELER NEONAZIS ALTERNATIVE ZENTREN

Nazis werden mutiger

In der Nacht des 9. Mai haben Unbekannte die Fensterscheiben des Wohnprojekts Dampfziegelei in Kiel-Wiek eingeschmissen. Drei Steine flogen dabei in ein Kinderzimmer, in dem ein vierjähriges Mädchen schlief. „Glücklicherweise wurde das Mädchen durch die Steine oder Glassplitter nicht verletzt“, sagt Petra Hamann von dem Wohnprojekt.

In den vergangenen Monaten wurde die Dampfziegelei immer wieder von Neonazis angegriffen. Mehrmals bedrohten sie Bewohner und Gäste, Scheiben gingen zu Bruch. Am Abend vor dem Angriff am 9. Mai zogen rund 15 schwarz gekleidete Neonazis an dem Haus vorbei. „Die sangen nationalistische Kampflieder“, berichtet Hamann.

In der gleichen Nacht schmissen in Kiel Neonazis außerdem die Scheiben des Buchladens „Zapata“ ein. „Die Entwicklung zeigt, dass die Nazis mit immer stärkerem Gewaltpotenzial vorgehen“, sagt Harald Mücke vom Buchladen. Bereits im Januar hätten Unbekannte demnach auf das alternative Zentrum „Alte Meierei“ geschossen. Für Petra Hamann ist nicht nachvollziehbar, dass „der Polizei zwar der Täterkreis gut bekannt ist, die Ermittlungen aber bislang keinen Erfolg hatten“.

„Die Ermittlungen laufen“, sagt hingegen ein Polizeisprecher. Auch neonazistische Schmierereien werden derzeit untersucht. So haben Beamte eine Gruppe von jungen Rechten erwischt. „Die Aktivitäten sind im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen“, sagt der Sprecher. Allerdings seien sie 2009 schon sehr hoch gewesen, räumt er ein.

Der Mitarbeiter des beschädigten Buchladens, Harald Mücke, wünscht sich hingegen mehr Engagement. „Im Rat der Stadt wird immer noch von Bandenkriegen zwischen Links und Rechts gesprochen“, sagt er. Weil der Polizei allerdings das Kennzeichen eines Täterwagens mitgeteilt werden konnte, hofft Mücke diesmal auf einen Ermittlungserfolg.