Dank modernerer Technik

Pirate Bay weniger angreifbar

Die Gerüchte, Pirate Bay werde geschlossen, sind falsch. Die Website wird lediglich umgebaut – und dadurch weniger angreifbar durch die Musikindustrie.

Das Piratenschiff wird komfortabler.  Bild: Neither Fanboy - Lizenz: CC-BY

Pirate Bay macht den Laden dicht? Nein, stellt der ehemalige Pirate Bay-Sprecher Peter Sunde ausdrücklich entsprechende Gerüchte klar, die durch das Netz geistern. Was der bislang weltweit grösste Bit-Torrent-Tracker tatsächlich dicht gemacht hat, ist der Tracker-Server. Filesharing via Pirate Bay geht mit neuer, weniger anfälliger und juristisch schwerer greifbarer Technik weiter.

taz paywall

Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?

Mehr Infos

taz.de

Denn die bisherige Tracker-Technik könne nun ins Museum, informiert das Pirate Bay-Blog. Für Filesharing mit Hilfe der Bit-Torrent-Technik bedarf es eines Protokolls, welches den Austausch der einzelnen Datenpakete zwischen den UserInnen, die über ihre Rechner Dateien auf- und herunterladen, koordiniert. Diese Informationen lagen bislang auf "Trackern" und diese auf speziellen Servern, wie denen von Pirate Bay betriebenen. Eine neue Technik, DHT („Distributed hash table“), hat solche zentralen Server nun überflüssig gemacht.

Filesharer, die eine bestimmte Datei herunterladen wollen, klicken auf der Pirate-Bay-Seite nun auf einen "magnetischen Link", der nicht mehr über einen Tracker-Server – mit seiner speziellen und bei den Providern zu registrierenden IP-Adresse – führt, sondern direkt zu dem mit einem speziellen Identifizierungscode versehenen gesuchten File.

Das System koordiniert dann zwischen den UserInnen selbst den entsprechenden Datenaustausch. Ermöglicht wird der Verzicht auf Tracker-Server durch eine PEX- ("Peer exchange") Erweiterung des Bit-Torrent-Protokolls. Die gängigen Bit-Torrent-Programme unterstützen bereits die "magnetischen Links". Und das neue System soll auch noch schneller und stabiler sein, verspricht Pirate Bay.

Die Funktion einer Seite wie Pirate Bay reduziert sich damit im wesentlichen zu der einer blossen Suchmaschine wie Google. Was zwar juristisch nicht für den derzeit in Schweden noch laufenden Prozess gegen die Pirate Bay-Macher relevant ist, der vermutlich im Sommer kommenden Jahres im Berufungsverfahren neu aufgerollt wird: Denn da geht es um einen Zeitraum bis zum Jahr 2006 und über konkrete Torrents, die der damalige Tracker-Server verlinkte. Wohl aber dürfte die neue DHT- und PEX-Technik eine künftige rechtliche Verfolgung von Anbietern entsprechender Seiten erheblich erschweren, wenn nicht ganz ins Leere laufen lassen.

Rechtliche Auswirkungen könnte der Ausstieg aus der Technik zentraler Tracker-Server aber für einen weiteren Prozess haben, der von der Musik- und Filmbranche anhängig gemacht worden ist. Und in dem das Amtsgericht Stockholm kürzlich unter Bußgeld-Androhung entschieden hatte, Pirate Bay müsse auch bis zu einer Entscheidung des Berufungsgerichts aufgrund des noch nicht rechtskräftigen erstinstanzlichen Urteils die Tracker-Funktion seiner Webbseite schliessen.

Einer Aufforderung, der die Macher nun also tatsächlich nachkommen. Allerdings beiliebe nicht mit dem Effekt, den sich die klagenden Konzerne der Unterhaltungsbranche wohl davon versprochen hatten.

 
ToDo: alternative Artikel

weitere Artikel des Autors

Beiträge des Autors in der Kommune

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Wenn Sie Ihren Kommentar nicht finden, klicken Sie bitte hier.

Geben Sie Ihren Kommentar hier ein