Am Sonntag wird in Rumänien der Staatschef gewählt. Seit Jahren tobt ein Machtkampf zwischen dem amtierenden Präsidenten Basescu und dem Parlament.von WILLIAM TOTOK

Zur Präsidentschaftswahl treten zwölf Kandidaten an: Einer unglaubwürdiger als der andere. Bild: dpa
Tiefe Gräben spalten die politische Klasse Rumäniens. Vor diesem Hintergrund finden an diesem Sonntag Präsidentschaftswahlen statt. Für das höchste Amt im Staat bewerben sich zwölf Kandidaten. Einer ist unglaubwürdiger als der andere, alle zusammen jedoch treten im Wahlkampf besonders draufgängerisch, wenn auch nicht siegessicher auf.
Die Umfragen sehen nicht gut aus - weder für den amtierenden Präsidenten Traian Basescu, der in den vergangenen Monaten seine regierende liberaldemokratische Partei (PD-L) in eine Reihe von politischen Krisen gestürzt hat, noch für seine Herausforderer. Neben Basescu zählen der sozialdemokratische Mircea Geoana und der nationalliberale Crin Antonescu zu den aussichtsreichen Kandidaten. Es wird erwartet, dass keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit der Stimmen erreicht. Glaubt man den im Sinne der jeweiligen Auftraggeber frisierten Umfragen, würden 33 Prozent der Wähler für Basescu stimmen. Der von seinen Widersachern als "Dummkopf" apostrophierte Mircea Geoana kann demnach mit 30 Prozent der Stimmen rechnen und der als "welkende Nelke" etikettierte Crin Antonescu - "crin" bedeutet auf Rumänisch "Nelke" - nur mit 18 Prozent. Die anderen Kandidaten haben kaum eine Chance.
Basescu hat es geschafft, der amtierenden Regierung das Wasser abzugraben, nachdem seinem Herzblatt, dem liberaldemokratischen Premier Emil Boc, vom Parlament das Vertrauen entzogen wurde. Die mutwillig von Basescu herbeigeführte Regierungskrise ist das Ergebnis eines Machtkampfs, der seit Jahren zwischen dem Präsidenten und dem Parlament tobt. Nachdem das Parlament 2007 Basescu wegen Verfassungsverstößen suspendiert hatte, ließ er sich durch ein Referendum im Amt bestätigen.
Mit allen Mitteln populistischer Verdrehungskunst gelang es Basescu, sich als oberster Antikorruptionsbekämpfer darzustellen. Diesmal jedoch könnte seine Rechnung nicht mehr aufgehen. Sein Wahlslogan "Sie entkommen dem nicht, was Sie fürchten" zielt nämlich auf das Parlament, die wichtigste demokratische Institution. Parallel zu den Präsidentschaftswahlen findet denn auch ein vom Staatspräsidenten angeregtes Referendum statt. Vordergründig geht es um eine Verschlankung der Legislative, den Abbau von Bürokratie und die Entlastung des Staatshaushalts durch Einsparen von Abgeordnetengehältern. Die Anzahl von derzeitig 332 Abgeordneten soll auf 300 reduziert und die zweite Kammer des Parlaments, der Senat mit 137 Mitgliedern, soll ganz abgeschafft werden. Das bedeutet eine Schwächung von Basescus Opponenten.
Der nach seinem Amtsantritt 2004 eifrig gepflegte Korruptionsbekämpfungsdiskurs von Basescu hat längst seine Schlagkraft verloren, vor allem, nachdem die finanziellen Unregelmäßigkeiten der von ihm favorisierten Tourismusministerin aufgeflogen sind. Sein Widerstand gegen den Vorschlag des Parlaments, anstelle des abgewählten liberaldemokratischen Regierungschefs Boc den erfolgreichen deutschstämmigen Bürgermeister aus Hermannstadt/Sibiu, Klaus Johannis, einzusetzen, verdunkelte zusätzlich den sowieso schon eingetrübten präsidialen Glorienschein.
Ahmed Schafik und Mohammed Mursi haben die erste Wahlrunde beinahe gleichauf gewonnen und rüsten sich für die Stichwahl. Die Muslimbrüderschaft hofiert die ausgeschiedenen Kandidaten.

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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
23.11.2009 18:48 | Aurel
Herr Totok, Sie enttäuschen mich. ...
21.11.2009 13:49 | L. Richter
- "Crin" heißt Lilie, nicht Nelke. ...