Bauer rückt vor

„Schleichender Exodus“: Der Verleger der „Buerschen Zeitung“ sagt nichts, hat aber einen Brief geschrieben

GELSENKIRCHEN | taz ■ | Der Verleger der Buerschen Zeitung (BZ) in Gelsenkirchen, Kurt Bauer, hat sich erstmals zur Einstellung seiner Zeitung geäußert – allerdings nur schriftlich. „Mit großem Bedauern“ müsse er mitteilen, dass die BZ ihr Erscheinen zum 30. September diesen Jahres einstellen werde, schreibt Bauer in einem Brief an die BZ-Abonnenten.

Als Grund für die Einstellung nennt der Verleger einen „schleichenden Exodus“: Die Werbeeinnahmen gingen zurück, außerdem sinke die Auflage „seit Jahren um zirka 3,5 Prozent pro Jahr“. Derzeit liege sie bei 7.200 Exemplaren – bisher war von 8.000 die Rede. Dass die BZ 1.000 Leser dazu gewonnen haben soll, nachdem sich Ende März bereits die Ruhr Nachrichten aus Gelsenkirchen zurückgezogen hatten – davon steht nichts in dem Brief.

Der Medienexperte Horst Röper hatte unlängst angemerkt, dass die BZ-Auflage zwar rückläufig sei. Seitens des Verlages habe man aber offenbar nichts unternommen, um dem entgegen zu wirken. Und der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski hatte gegenüber der taz vermutet, die Zeitungsverlage im Ruhrgebiet könnten sich ihr Revier aufgeteilt haben. Bauer drohte dem OB darauf mit einer Strafe von 25.000 Euro, sollte er die Äußerung nicht dementieren.

In dem Brief schreibt Bauer nun von „abwegigen Vermutungen, an denen sich leider auch der Gelsenkirchener OB beteiligt, ohne jemals mit mir gesprochen zu haben“. Wobei Bauer selbst nur ungern redet: Auch nach mehrmaliger taz-Anfrage weigert er sich, Fragen zur Einstellung seines Blattes zu beantworten. Sollte die BZ im Herbst schließen, verlöre NRW die letzte verbliebene Stadtteilzeitung. Die Essener Westdeutsche Allgemeine Zeitung könnte ihr Monopol ausbauen.