Noch ist Nippons Markt für Ökoprodukte winzig. Europas Bioproduzenten wittern einen attraktiven Exportmarkt, denn Japaner zahlen Luxuspreise für Bioware.von HILJA MÜLLER
In japanischen Geschäften haben sie einen Ehrenplatz: viereckig geformte Melonen, Äpfel so groß wie Kinderköpfe, tieforange glänzende Persimmon. Perfekt aussehendes Obst ist ein beliebtes Geschenk in dem ostasiatischen Land, selbst wenn man für eine Melone mit Ecken und Kanten 200 Euro auf den Tisch legen muss.
Ganz anders sieht es hingegen mit Ökolebensmitteln aus, die in Japan noch ein Aschenputtel-Dasein fristen. "Der Markt ist hier locker 20 Jahre hinter der Entwicklung in Europa und den USA her", meint Duco Delgorge, Chef des Bioimportunternehmens "Mie-Project". Mehr als die Hälfte aller Japaner wusste bei einer Verbraucherumfrage mit dem Begriff "ökologisch" nichts anzufangen. Nur 3 Prozent der Befragten konnten erklären, was "Bio" bedeutet. Kein Wunder also, dass der Markt für Ökoprodukte in der zweitstärksten Volkswirtschaft der Welt noch in den Kinderschuhen steckt, während er in westlichen Industrieländern jährlich im zweistelligen Bereich wächst.
Duco Delgorge versucht seit Jahren, den Japanern Bionahrung schmackhaft zu machen. Das ist schwer in einem Land, in dem das vollendete Aussehen von Gemüse und Obst offenbar nicht hinterfragt wird. "Die meisten Japaner haben lieber einen wunderbar aussehenden Salat, der mit reichlich Pestiziden behandelt wurde, als einen unbehandelten Salat, in dem man eventuell ein Würmchen finden könnte." Entsprechend gering ist die heimische Produktion von Biolebensmitteln. Landesweit werden lediglich 0,6 Prozent der Gesamtanbauflächen nach ökologischen Prinzipien beackert. Meist sind es kleine Betriebe, deren Waren es nie in die Konsumketten der großen Supermärkte schaffen, sondern lokal auf Märkten verkauft werden. Perfekte Voraussetzungen für ausländische Hersteller und Importeure, so sollte man meinen. Doch Japan ist ein schwer zu knackender Markt. "Er ist sicherlich lukrativ, erfordert aber auch ein langfristiges Engagement", weiß Frank Venjakob, Chef der Nürnberger Messe. Seit Jahren organisiert sein Team die "BioFach"-Messe in Tokio. "Einmal seinen Stand hier aufzubauen, reicht nicht", sagt Venjakob, "in Japan muss man Jahre in gute Beziehungen zu heimischen Geschäftspartnern investieren."
Johann Haas ist bereit, das Wagnis mit seinen "Sonnentor"-Kräuterprodukten zu versuchen. "Wo gibt es so viele potenzielle Kunden auf so geringem Raum?", fragt der Österreicher. Eines hat er bereits gelernt: "Je aufwendiger unsere Tees verpackt sind, desto besser verkaufen sie sich." Da der schöne Schein ein wichtiger Faktor in Japan ist, verwundert nicht, dass sich Biokosmetikprodukte deutlich besser verkaufen als Ökolebensmittel. Keiko Asano-Leckebusch hat an einem Stand mit hochwertigen Körperölen und Pflegemitteln alle Hände voll zu tun. "Dr. Hauschka, Laveda, Weleda - das verkauft sich alles gut. Die Japaner, auch die Männer, legen viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres und lassen sich das etwas kosten." Das müssen sie auch, denn alles, was "bio" ist in Japan, ist astronomisch teuer. So kostet ein Weizenmischbrot aus einer "organic bakery" in Tokio umgerechnet 15 Euro. Für ein kleines Glas Erdbeermarmelade im Bioladen muss man etwa 12 Euro berappen. Dennoch, so glaubt Delgorge, "es ist nicht nur der Preis. Es gibt einfach noch zu wenig Angebot und kaum Marketing. Für viele Japaner sind Ökoprodukte im alltäglichen Leben nahezu unsichtbar." Das werde sich ändern, glaubt er. "Wenn Importeure und lokale Hersteller und Vertreiber an einem Strick ziehen, wird letztendlich Bio auch in Japan ,in' sein und günstiger werden. Ich glaube, dass der Markt in fünf bis sieben Jahren richtig Fahrt aufnehmen wird."
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Es ist ein echtes großes Drama, das sich da in Griechenland abspielt. Ein Drama über die Demokratie, die Unregierbarkeit. Dieses Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und das Drama genießen.

Leserkommentare
08.12.2009 12:16 | Ohrnickende
sich ausschließen ? Nein, aber nicht, wenn man (die europäische Bio-Industrie) damit viel Geld verdienen kann. ...
06.12.2009 16:01 | kopfschüttelnde
und ich dachte immer, export in ferne länder und öko schließen sich aus ... ich naivchen ...