Das Mode-Unternehmen Triumph entlässt tausende Näherinnen in Asien. Aktivisten behaupten, bei den Kündigungen seien gezielt gewerkschaftlich organisierte Belegschafen betroffen.von MANUEL BOGNER
BERLIN taz | "Total überrumpelt" fühlten sich die beiden Mitarbeiterinnen der Triumph-Filiale im Berliner Einkaufszentrum Alexa am Dienstag morgen. Schließlich überreichte ein als Weihnachtsmann verkleideter Mitarbeiter der Kampagne für saubere Kleidung zusammen mit Gewerkschafterinnen aus Thailand und den Philippinen ein Geschenk. Ausgepackt haben sie es aber nicht. "Das übergeben wir der Geschäftsleitung", sagte eine Verkäuferin. Dabei dürfte der Inhalt wenig Freude machen. Schließlich handelt es sich um eine symbolische Klage, in der die Gewerkschafterinnen dem Schweizer Dessous-Hersteller vorwerfen, gegen internationale Arbeitsstandards verstoßen zu haben. Triumph hatte in den beiden Ländern im Sommer insgesamt 3.500 Näherinnen entlassen.
Die Gewerkschafterinnen kritisieren vor allem die Art und Weise der Entlassungen. So seien die Gewerkschaften nicht vorab konsultiert worden, und es habe keinen Sozialplan für die Betroffenen gegeben. Und: "Die Massenentlassungen trafen genau die Fabriken und Abteilungen, in denen sich die Arbeiter gut organisiert und für ihre Rechte stark gemacht haben", so Julia Thimm von der Kampagne für saubere Kleidung.
Die Betroffenen haben auch beim Schweizer Staatsekratariat für Wirtschaft eine Beschwerde eingereicht. Darin kritisieren sie, dass Triumph die Richtlinien für multinationale Unternehmen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nicht eingehalten habe. Das Sekretariat überprüft nun, ob Triumph gegen die Richtlinien verstoßen hat. Zunächst werden beide Parteien gehört. Sollte dieses Vermittlungsverfahren scheitern, gibt die Behörde ein öffentliche Erklärung ab. Weitere Sanktionsmöglichkeiten existieren nicht.
Triumph bestreitet die Vorwürfe: Der "zutiefst bedauernswerte" Personalabbau sei auf die "globalen Restrukturierungsmaßnahmen" zurückzuführen, erklärte das Unternehmen. Dabei habe man die Niederlassungen nach "Gesichtspunkten der Kostenstruktur und der Unternehmensleistungen ausgewählt". In den vergangen vier Jahren seien in den betroffenen thailändischen Fabriken über 30 Millionen Schweizer Franken und in den philippinschen Niederlassungen acht Millionen Franken Verlust erwirtschaftet worden.
Auch dem Vorwurf, Triumph baue gezielt Kapazitäten in Gebieten ohne starke Gewerkschaften aus, widerspricht das Unternehmen. "Neueinstellungen erfolgen ausschließlich als Ersatz für Mitarbeiterinnen, die gekündigt haben", teilt der Konzern mit. Man respektiere das Recht zur Gründung von und den Beitritt zu Gewerkschaften.
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