300.000 trotz Vollzeitjob arm

HAMBURG | afp ■ | In Deutschland gibt es nach Angaben von Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) rund 300.000 Menschen, die trotz Vollzeitjob ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können. Diese Bürger verdienten so wenig Geld, dass sie es mit ALG II aufstocken müssten, sagte Müntefering der Financial Times Deutschland. Dazu kämen mehrere hunderttausend Menschen, die neben einem Teilzeit- oder Minijob ALG II bekämen. Müntefering kündigte an, er wolle das Thema in der Diskussion über existenzsichernde Löhne aufgreifen. Der Minister will dazu im Herbst Vorschläge vorlegen. In einigen Wirtschaftszweigen werden dem Bericht zufolge Tariflöhne von vier Euro die Stunde und weniger gezahlt. Das reicht vor allem für Familien nicht. Das Phänomen der „working poor“ ist zumeist aus Schwellenländern in Asien oder Lateinamerika bekannt. Nach dem jüngsten UN-Bericht gehören etwa in Südasien 88 Prozent der Erwerbstätigen zu den „arbeitenden Armen“, in Ostasien sind es 50 Prozent. Sie verdienen weniger als zwei Dollar (1,65 Euro) pro Tag.