Mächtiger Windmacher

Wird in Deutschland über Windanlagen im Meer verhandelt, fehlt er so gut wie nie: Jörg Kuhbier, 74. Er ist Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Stiftung der Deutschen Wirtschaft zur Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See mit Sitz im niedersächsischen Varel. Im Kuratorium dieser schlagkräftigen Lobbyorganisation sitzen fast alle Konzerne, die Offshore-Anlagen bauen, betreiben oder finanzieren. Kuhbier unterhält beste Kontakte zur Politik: Die Bundesministerien für Umwelt, Wirtschaft und Verkehr sind ebenfalls im Kuratorium vertreten, so wie die zuständigen Ressorts aller Küstenbundesländer. Und schließlich moderiert die Stiftung noch einen wichtigen Ausschuss, in dem Regeln für Offshore-Anlagen festgelegt werden. Dieses Netzwerk trägt.

Besonders kurz ist Kuhbiers Draht nach Hamburg. Im Stadtstaat, den die SPD derzeit allein regiert, war der heutige Windlobbyist für die Sozialdemokraten von 1983 bis 1991 als Senator tätig, zunächst für Wasserwirtschaft, dann für Umwelt. Diese Kontakte haben Kuhbier in dieser Woche einen großen Erfolg beschert: Nachdem er die Nordländer per Brief vor einer Zustimmung für ein mühsam ausgehandeltes Lärmschutzkonzept bei Offshore-Windanlagen warnte, zogen diese – allen voran Hamburg – ihre Zustimmung zurück. Schweinswale und andere Meerestiere werden darum erst mal nicht besser vor Lärm geschützt.

Wenn die Offshore-Industrie in der Nordsee nun ohne zusätzliche Auflagen weiterarbeiten kann, ist das nebenbei auch wirtschaftlich in Kuhbiers Interesse: Als Anwalt in einer großen Hamburger Kanzlei berät und vertritt er vor allem Unternehmen, die sich auf Windkraftwerke im Meer spezialisiert haben.