Polizeiübergriff vorerst ohne Nachspiel

GEWALT Zu eindeutigen Bildern einer Disko-Überwachungskamera kann der Bremer Innensenator nichts sagen – wegen laufender Ermittlungen. Prügelpolizist aus dem „Gleis 9“ in den Innendienst versetzt

Acht Wochen nach dem brutalen Prügeleinsatz gegen einen Besucher der Bremer Diskothek „Gleis 9“ findet der Innensenator noch immer kein Wort des Bedauerns. „Es sind schockierende Aufnahmen einer Überwachungskamera“, das hatte die Bild-Zeitung am 10. Juli geschrieben. Ihr war das Video offenbar zugespielt worden – „für wie viel Geld, weiß ich nicht“, sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) gestern den Abgeordneten der Innendeputation.

Nichts sagte er über den Verdacht auf unmäßige Polizeigewalt: Darauf findet sich offenbar kein Hinweis in den Berichten, die seine Polizeibeamten unmittelbar nach jener Nacht im Juni für das Einsatzprotokoll verfasst hatten. Verschiedene Kameras des Diskobetreibers haben das Geschehen aber dokumentiert. Eine „polnische“ Nacht fand am 22. Juni im „Gleis 9“ statt, gegen 3 Uhr morgens gab es einen Streit, die hauseigene Security alarmierte die Polizei.

Als die Beamten ihn nach drei Stunden laufen ließen, ging der Mann sofort ins Krankenhaus

Die Beamten griffen sich zuerst einen der Streitenden. Dann stürzten sich Polizisten auf den Bruder des Mannes. Kein unbeschriebenes Blatt sei der, heißt es bei der Polizei: Wegen Dutzenden von Vorfällen ist er der Sondereinheit bekannt, die für die Disko-Meile zuständig ist.

Das Video zeigt: Zu siebt gehen die Polizisten auf den Mann, einer tritt aus der zweiten Reihe und schlägt mit seinem Knüppel selbst dann noch zu, als der Besucher auf dem Boden von zwei Beamten festgehalten wird. Als die Beamten ihn nach drei Stunden laufen ließen, ging der Mann sofort ins Krankenhaus.

Wegen der laufenden Ermittlungen könne man nichts sagen, erklärte der Innensenator gestern dem Ausschuss. Auch das Video – das seit vier Wochen vorliegt – müsse erst genau analysiert werden. Und das dauere.

Den Polizeieinsatz selbst dagegen hatte Mäurer schon vor drei Wochen beurteilt: Die Aktion an sich sei „völlig korrekt“ gewesen, sagte er dem lokalen Fernsehen. Ermittelt werde nur gegen einen der beteiligten Beamten. Der wurde in den Innendienst versetzt.

Rolf Gössner, Vertreter der Linkspartei, fragte gestern nach einem eventuellen Anfangsverdacht gegen die umstehenden Polizeibeamten, wegen „Beihilfe“ oder unterlassener Hilfeleistung. Polizeibeamte, sagte deren Präsident, bekämen nicht immer mit, was die Kollegen neben ihnen machen.  KAWE