Gebackenes Glück

TORTEN Die besten Stücke erzeugen Wohlgefühl, machen den Alltag besser und Feste festlicher

Olivia: Außer-Haus-Verkauf, kleines Café, Torten auf Bestellung Wühlischstraße 30, Berlin-Friedrichshain (U- und S-Bahnhof Warschauer Straße) Telefon: (0 30) 60 50 03 68 Mo.–Fr. 10–19 Uhr, Sa. 10–18 Uhr, So. 12–18 Uhr

Der Kuchenladen: Außer-Haus-Verkauf, Café, Festtagstorten auf Bestellung Kantstraße 138, Berlin-Charlottenburg (S-Bahnhof Savignyplatz) Telefon: (0 30) 31 01 84 24 Tägl. 10–18.30 Uhr

Sissy we lalusch: Außer-Haus-Verkauf, Café, Festtagstorten auf Bestellung Oppelner Straße 34, Berlin-Kreuzberg (U-Bahnhof Schlesisches Tor) Telefon: (0 30) 25 58 67 22 Di.–Fr. 10–19, Sa./So. 12–19 Uhr

VON SIBYLLE MÜHLKE

Torte essen ist piefig, irgendwie maßlos, es macht dick, und ungesund ist es sowieso – warum hat das feine Gebäck eigentlich so ein Imageproblem? Möglicherweise, weil der allgegenwärtige Massenmampf aus der Großbäckerei tatsächlich eine perfide Mischung aus Zucker, Fett und Aromastoffen ist. Doch gute Torte ist Glücksnahrung! Ihr Verzehr erzeugt Wohlgefühl, sofort. Sie macht den Alltag besser und Feste festlicher. Sie duftet leise nach Butter und Vanille, sie zerfällt auf der Zunge und schmeckt nach Schokolade, Marzipan oder Obst, nach Heimat und nach Trost. Allerdings: Torte in Seelenfutterqualität findet man nicht an jeder Ecke. Diese Einsicht treibt nicht nur tortenlüsterne Gourmets um.

Auf der Suche nach der guten Torte haben einige BerlinerInnen ihre Biografie umgekrempelt und das leckere Lebensmittel zu ihrem Lebensinhalt gemacht. Jetzt fertigen sie Torten mit hohem Qualitätsanspruch – und finden dabei den Geschmack „wie von früher“, kreative Freiheit oder den idealen Arbeitsflow.

Es gibt einfach zu wenig Kuchen, der gemacht wird wie zu Hause

„Olivia“ ist ein Naschmaul-Paradies in der Friedrichshainer Wühlischstraße. Die Chefin Olivia Kaufmann ist eigentlich Grafikdesignerin. Angetrieben von der Erinnerung an die mütterliche Torte öffnet sie, die Erfahrung einiger Gastrojobs im Rücken, Ende 2005 das kleine Café. Die Spezialität sind schokoladige Kombinationen, elegante Tartes, die mit wenig zugesetztem Zucker auskommen und für die beste belgische Schokoladen verwendet werden. Der Bestseller ist eine Tarte mit dreierlei Schokolade. Auf Nüsse wird ganz verzichtet, stattdessen werden besser verträgliche Mandeln verbacken. Und „Olivia“ scheint einen unausgesprochenen Bildungsauftrag in Sachen Patisserie zu erfüllen: Im Angebot sind neben den Tartes und Torten auch erstklassige verpackte Schokoladen und Bücher zu süßen Themen, sachkundige Beratung gibt’s obendrauf. Sitzplätze sind in dem kleinen Laden knapp, die meisten Gäste drängeln sich in der ersten Wintersonne auf den Plätzen vor der Tür oder nehmen ihr Gebäck mit. Ganze Torten kann man übrigens auch vorbestellen, mit mindestens drei Tagen Vorlauf.

Im Berliner Westen, zwei Minuten vom S-Bahnhof Savignyplatz, hat Uwe Gundelach seinen schönen „Kuchenladen“. Dem Tortenangebot sieht man den Qualitätsanspruch auf den ersten Blick an. Gundelach ist Gastronom, bei den Torten war er jedoch ein Seiteneinsteiger. Und er hat ein Anliegen: „Es gibt einfach zu wenig Kuchen, der gemacht wird wie zu Hause. Wir backen hier alles so wie früher, mit Butter und guten Zutaten.“ 20 bis 30 Spezialitäten stehen in der Kuchenvitrine, den ganzen Tag lang wird frisch gebacken, und das Angebot wechselt oft. „Hinten haben wir haufenweise Backbücher, wir probieren immer wieder neue Sachen aus – Torte übt eine Riesenfaszination aus, man hat da so viele Gestaltungsmöglichkeiten!“ Besonders kreativ sind die Festtagstorten, opulente, teils mehrstöckige Angelegenheiten für Hochzeiten, Geburtstage oder einfach so. Wer so eine Dekotorte bestellen möchte, sollte ins Café kommen und sich dort ausführlich beraten lassen. Für den Sommer gibt’s schon neue Pläne: salzige Scones und Quiches.

Das kleine „Café Sissy we lalusch“ ist etwa drei Gehminuten vom U-Bahnhof Schlesisches Tor entfernt. Der ungewöhnliche Name ist englisch-hebräisch – Inhaberin Elisabeth Hochschild ist Israel-affin. Deswegen gibt es hier auch öfters Torten nach hebräischen Rezepten, daneben französische Tartes und Klassiker wie Zupfkuchen und Käsekuchen. Sie backt schon seit Jahren und hat verschiedene Cafés in Berlin beliefert, kürzlich hat sie ihr eigenes Café eröffnet. Auch sie achtet auf Qualität. Gebacken werden gehaltvolle Torten und bodenständige Kuchen aus guten Zutaten. Doch ihre Leidenschaft sind ausgefallen verzierte Festtagstorten – davon zeugt auch die Dekostation, die direkt in dem freundlichen, hellen Caféraum untergebracht ist. „Ich liebe diese entspannte und gleichzeitig konzentrierte Arbeit“, sagt sie. Ihre Dekotorten sind hochindividuell. „Ich setze auch ausgefallene Kundenwünsche um. Das, was man handwerklich realisieren kann, mache ich auch. Interessenten sollten sich etwa eine Stunde Zeit nehmen und hierherkommen zur Beratung.“ Einige beeindruckende Prototypen stehen im Schaufenster.