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Hertha und Jo

Falls Sie es noch nicht bemerkt haben: Die Medienwelt wird zunehmend digital. Selbst die Satelliten-Betreiber stopfen die letzten Löcher namens Free-TV. Um digitale Standards wird heftig gerungen. Und deshalb bekommt Deutschland jetzt ein Deutsches Digital Institut (DDI). Dagegen wäre zunächst ja auch gar nichts einzuwenden; höchstens, dass sich das Deutsche Derivate Institut (DDI), das irgendwas mit Börse zu tun hat, über den Abkürzungsklau beschweren könnte.

Doch was heute in Berlin im ausgewählten Kreis vorgestellt werden soll, glänzt vor allem wegen des aufgebotenen Personals: Denn wer ist wohl als Kopf des Digital-DDI vorgesehen? – Natürlich niemand Geringeres als unser Lieblingsmedienexperte Jo Groebel. Der Mann, der zu allem eine Meinung in schönstem Wissenschaftsdeutsch, aber herzlich wenig zu sagen hat. Der auf allen Podien sitzt und auf allen Kongressen nach der Pfeife seiner Auftraggeber tanzt. Der zwar sein Europäisches Medieninstitut (EIM) an die Wand gefahren hat, was nach Meinung ehemaliger EIM-Aufsichtsräte nicht zuletzt an der exzessiven Kongressreisefreudigkeit des Generaldirektors G. lag. Und der dafür in zivilisierten Gegenden mit einem Bann, nie wieder Institute zu leiten oder öffentliche Kohle zu verbraten, belegt gehört hätte.

Aber Berlin bleibt Berlin. Deshalb werden Groebel beziehungsweise das Institut heute auch von Hertha-Präsident Bernd Schiphorst vorgestellt. Denn der macht nicht nur in Fußball, sondern ist im Nebenberuf Partner der illustren Spezlvermittlung – Verzeihung: Beratungsgesellschaft WMP Eurocom. Und war schließlich mal Medienbeauftragter von ganz Berlin und Brandenburg. Hübsch ist in dem Zusammenhang, dass man weder beim für die Medien in der Hauptstadtregion zuständigen Medienboard noch bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg etwas über das geplante DDI weiß. Wie gesagt: Berlin bleibt eben Berlin.