Ein hemdsärmeliger Problemlöser

Zupacken konnte Otto Wiesheu stets, und zwar nicht nur auf dem väterlichen Bauernhof. Der promovierte Jurist finanzierte sich sein Studium in München unter anderem mit Jobs auf dem Schlachthof. Die Hemdsärmeligkeit war dem CSU-Politiker zwar manchmal im Weg – etwa als er einmal Schröder mit Hitler verglich –, aber schon immer holte man ihn in verfahrenen Situationen gern an den Tisch.

Auch beim Streit zwischen Electrolux und der IG Metall um das Nürnberger AEG-Werk spielte der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister den Notnagel. Das allzu diplomatische Kuscheln ist Wiesheus Sache nicht, er hört konzentriert zu, sammelt Standpunkte und geht dann pragmatisch zu Werk, wie auch AEG-Sprecher Michael Eichel bestätigt: „Er hat beide Seiten dazu gebracht, von ihren Verhandlungspositionen runterzukommen und sich anzunähern.“

Gelacht haben wird er dabei selten in den letzten Tagen, denn überschwänglicher Humor ist nicht Wiesheus Stärke. Meist mit ernster Miene begegnet er Journalisten und Kollegen. Vielleicht ist es der steten Erinnerung an das Jahr 1983 geschuldet, als er alkoholisiert einen tödlichen Autounfall verursachte. Eine Bewährungsstrafe wurde ihm aufgebrummt, und für einige Monate zog er sich von der politischen Bühne zurück, die er damals als CSU-Generalsekretär dirigierte. Nach einer Anstandsfrist als Geschäftsführer der CSU-Parteistiftung trat er Anfang der Neunziger wieder auf die politische Bühne.

Und weil Wiesheu ein fleißiger Arbeiter ist, ganz wie der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, holte der ihn 1993 als Superminister ins bayerische Kabinett. Neben dem Ressort Wirtschaft war Wiesheu am Ende verantwortlich für die Bereiche Verkehr, Technologie, Infrastruktur und Landesplanung. Durchaus mit Erfolg: Analysten und Ratingagenturen geben der bayerischen Wirtschaft Bestnoten.

Und schon während seiner Zeit als Minister hat sich Wiesheu bei Standortschließungen eingeschaltet: Das Stahlwerk Maxhütte, die Grundig AG, Kirch Media oder zuletzt Infineon – immer wieder versuchte er Insolvenzen oder Abwanderungen zu verhindern.

Umso schwerer war es wohl für Stoiber, dass der altgediente Politiker, der schon unter Franz Josef Strauß als Assistent gedient hatte, zum Jahreswechsel als Vorstand der Deutschen Bahn in die Wirtschaft und nach Berlin gewechselt ist. „Für mich ist das eine Chance“, kommentierte Wiesheu seinen Wechsel selbstbewusst. „Für Stoiber vielleicht ein Problem.“ Aber vielleicht bucht der ihn ja auch einmal als Problemlöser, wenn’s mal richtig bergab geht.