Geschichte unter Tage

Rundbunker am Berliner Tor ab März für Öffentlichkeit zugänglich. Ein Verein will die „Schutzlosigkeit der Bevölkerung“ aufzeigen

Von ELKE SPANNER

Einige Hamburger Bunker wurden von der Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg spöttisch „Massengrab“ genannt. Das waren die 165 einfachen Röhrenbunker, welche die Nationalsozialisten hatten bauen lassen – nicht für Funktionsträger aus Politik und Verwaltung, sondern für die einfache Bevölkerung. Niemand konnte wirklich darauf vertrauen, dort bei einem Bombenangriff Schutz zu finden. Die unterirdischen Räume galten als wenig sicher. Zudem boten sie ohnehin nur Platz für rund zehn Prozent der Bevölkerung.

Kleine, feuchte, muffige Keller zum Zwecke der Propaganda

„Die Nutzung der Bunker war mehr zu propagandistischen Zwecken“, erklärt Eberhard Elfert von der Staatspolitischen Gesellschaft. „Damit sollte bewiesen werden, dass Kriege führbar und überlebbar sind.“ Elfert spricht auch für den Verein „unter-hamburg“, der sich im Januar gegründet hat. Der will mit Bunkerführungen der Öffentlichkeit die unterirdische Welt Hamburgs nun verstärkt zugänglich machen.

Erstmals besichtigt werden kann ab Mitte März der 1940 angelegte Bunker am Berliner Tor. Während des „Kalten Kriegs“ wurde er zum Atomschutzbunker umgebaut. Rund 400 Menschen sollten hier im Katastrophenfall Unterschlupf finden, 281 Sitzplätze und 140 Betten stehen noch heute bereit. Betreten wird das unterirdische, dreistöckige Gebäude durch eine Schleuse, durch die im geschlossenen Zustand ein Überdruck erzeugt werden sollte. Dadurch sollte schlechte und kontaminierte Luft von außen abgehalten werden. Es gibt hier einen eigenen Brunnenschacht, 160 Meter tief, und ein Notstromaggregat.

Zwei Wochen lang sollten die Eingeschlossenen dort unter Tage überleben können. „Man dachte, mit ein bisschen Technik könnte man Leben retten“, sagt Elfert. „Die Technik war auch gut. Heute aber weiß man, dass es trotzdem nicht hätte funktionieren können.“ Jörn Lindner, Vorsitzender von „unter-hamburg“, erklärt, dass den Teilnehmern der Führungen „der Wahnsinn der atomaren Hochrüstung und die Schutzlosigkeit der Bevölkerung anschaulich gemacht werden sollen“.

Über 600 unterirdische Bunker gibt es in der Hansestadt, hinzu kommen Hochbunker wie der in der Feldstraße in St. Pauli oder in der Wendenstraße in Hamm. „Die meisten sind kleine, feuchte, muffige Keller“, sagt Elfert. Die Bauwerke, die nach dem Zweiten Weltkrieg für den Zivilschutz umgebaut wurden, unterliegen noch heute einer Zivilschutzbindung und müssen regelmäßig gewartet werden. Da inzwischen niemand mehr von einer atomaren Bedrohung ausgeht, ist die Instandhaltung auf das Allernotwendigste beschränkt. Zwischen 1989 und 2001 wurde dafür so gut wie kein Geld mehr ausgegeben. Erst seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gibt es wieder Überlegungen in den Behörden, die zahlreichen Bunker nutzbar zu machen.

Vor allem die unterirdischen Räume in der City werden wahrscheinlich wieder einer Funktion zugeführt – sie sollen Platz bieten, um etwa nach einem Terroranschlag auf die Zivilbevölkerung schnell eine große Anzahl verletzter und orientierungsloser Menschen versorgen zu können.

Eine ganz eigene Aufgabe ist den Kellergewölben zugedacht, die sich unter dem Spielbudenplatz in St. Pauli befinden. Die sollen zur Fußballweltmeisterschaft im Sommer als Tiefgarage nutzbar sein.

Kontakt: unter-hamburg, ☎ 68 26 75 60, info@unter-hamburg.de.