GEHT’S NOCH?

Schweinfurter Abiturkrise

AN EINER PRIVATSCHULE FÄLLT EIN KOMPLETTER JAHRGANG DURCH DIE PRÜFUNG. EIN SPEZIELLER FALL VON DUMMHEIT

Die Schweinfurter Abiturkrise ist eine Geschichte für Dumme. In der bayerischen Stadt hat es eine Privatschule fertiggebracht, ihre 27 Abiturienten so schlecht vorzubereiten, dass der Jahrgang komplett durchfiel: maximale Punktzahl 0,8 (von 15 möglichen Punkten). Das Abitur in Bayern ist schwer, aber an diesem unterirdischen Ergebnis müssen viele Dumme mitgewirkt haben. So war es auch. Aber der Reihe nach.

Der Schulgründer Michael Schwarz hat sich offenbar mit dem Abi überhoben. Seit vielen Jahren macht der Diplomhandelslehrer Erfahrung mit einer gut gehenden Wirtschaftsschule. Daraufhin startete er zunächst eine Real- und später, 2011, eine Fachoberschule. Aber die FOS, wie sie in Bayern heißt, hat eine Tücke: Sie dauert nur zwei Jahre. Das heißt, wer eine neue Fachoberschule gründet, der muss quasi aus dem Stand abifähig sein. Das war die Privat-FOS nicht – weil ihr Gründer es nicht auf die Reihe bekam, einen funktionierenden Schulbetrieb zu organisieren.

Doch warum schicken Eltern ihre Kinder zu einem solchen Himmelfahrtskommando? Weil es billig war (140 Euro pro Monat), weil sie den staatlichen Schulen nicht trauen – und weil sie das Beste für ihre Kinder wollen. Und zwar auch dann, wenn ihre Kinder gar keine Gymnasialempfehlung haben. So in Schweinfurt. Am Ende werden genau jene Schüler die Dummen sein, die zwei Jahre in eine Sackgasse investiert haben.

Der Hauptschuldige an dem Schweinfurter Abidesaster aber ist der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Er hat seit Oktober 2012 gewusst, welches Chaos an der Privatschule herrscht, und alle frühzeitigen Warnsignale überhört: Lehrer, Eltern und Abgeordnete warnten die Staatsregierung vor der Zeugniskatastrophe – aber die Schulbehörden haben, wieder mal, versagt.

Und was ist die Moral von der Geschicht’? Genehmigt private Schulen nicht? Nein, dieser Schluss ist falsch. Schweinfurt ist ein Spezialfall einer Zweijahres-FOS, die von einem windigen Geschäftemacher betrieben wird. Das Gros der Privatschulen sind kirchliche Einrichtungen, Reformschulen oder demokratische Graswurzelschulen. Von diesen freien Schulen brauchen wir mehr – nicht weniger.

CHRISTIAN FÜLLER