DAS DING, DAS KOMMT

Lebende Bilder

DEN ROTEN TEPPICH für neue Posen rollen die Performerinnen vom „Bauchladen Monopol“ in Hamburg aus

Lebende Bilder stellt in Hamburg das Performance-Kollektiv „Bauchladen Monopol“ aus. Und das unter den Werbeplakaten von Stroer, diesen riesigen Tafeln, in denen sich die Bilder unerbittlich attraktiver Models unermüdlich austauschen. In einer Prozession von Plakat zu Plakat will der Bauchladen die Geschichte einer Figur namens Gisèle erzählen, als Märchen, in dem es darum geht, wie Begehren geweckt wird und was passiert, wenn ein Mädchen dem Handelskönig begegnet.

„giseles index oder plakat taten“ hat das Künstlerinnenkollektiv die Performance genannt, die ihren Ausgangpunkt in einer Analyse des Ökonomen Fred Fuld nimmt. Der hat einen Gisèle-Bündchen-Index entwickelt, der gezeigt hat: Firmen, die mit dem Model warben, hatten deutlich bessere Aktienkurse hatten als der Dow-Jones-Durchschnitt. Welche Posen nimmt das Model Bündchen ein, fragten sich die Bauchladen-Künstlerinnen, welche Pose die Venus von Milo? Und wer bestimmt, was schön ist?

Man könnte einwenden, dass diese Fragen oft gestellt worden sind, dass die Kommerzialisierung des weiblichen Körpers keine neue Erkenntnis ist. Bleibt abzuwarten, ob die lebenden Bilder tatsächlich die gewohnten aus der Werbung verfremden. Interessant ist auf jeden Fall der Arbeitsprozess des Bauchladen-Kollektivs. Angefangen haben die Frauen mit Proben, in denen sie teilweise nackt waren. Davon haben sie sich wegentwickelt – weil sie nicht auf die Schiene der Femen-Aktivistinnen geraten wollten, deren Aktionen im Kollektiv umstritten sind. Und weil sie sich der Gefahr bewusst wurden, genau die Ästhetik zu wiederholen, gegen die sie antreten wollen. Nun bleibt bis zur Performance unklar, ob die Frauen nackt sein werden oder nicht. Interessant die Zeiten, in denen die feministische Perspektive, mit der das Kollektiv den roten Teppich für seine Plakatprozession ausrollen will, so umstritten ist.

Auf jeden Fall haben die Künstlerinnen diesmal, anders als sonst, eine behördliche Genehmigung für ihre Performance. So könne man in aller Ruhe auch auf einem Plakat balancierend das Wesen der Pose untersuchen, sagt das Kollektiv. In früheren Aktionen sei es dagegen darum gegangen, die Grenzen des öffentlichen Raumes auszuloten – da war die Genehmigungslücke Teil des Programms und es nahezu ein Erfolg, wenn Passanten den Sicherheitsdienst riefen. So geschehen in einem Frankfurter Einkaufszentrum, in dem der Bauchladen eine Variante von „Singing in the Rain“ darbot. Ob eine Märchenprozession ebenso viel Irritationspotenzial bietet, kann man von Donnerstag bis Samstag nächster Woche in der Hamburger Innenstadt beobachten.  FRIEDERIKE GRÄFF

■ www.bmonopol.wordpress.com