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Dale Begg-Smith

Dale Begg-Smith hat keine reichen Eltern, jedenfalls ist nichts darüber bekannt. Er hat auch nicht sonderlich viel Geld mit seinem Sport verdient. Trotzdem fährt er Lamborghini, einen 300.000 Dollar teuren Sportwagen. Das liegt daran, dass Begg-Smith mit 13 eine zündende Idee hatte. Der pubertäre Entrepreneur investierte vor Jahren ins Internet. „He is not only a master of moguls, he ist a mogul“, hat eine Zeitung unlängst geschrieben: „Er ist nicht nur ein Meister der Buckelpiste, er ist auch sonst ein Mogul.“ Mittlerweile ist er 21 Jahre alt und ein Mann, der ausgesorgt hat. Über sein Vermögen wird derzeit viel spekuliert. Ein paar Milliönchen dürfte Dale Begg-Smith sein Eigen nennen.

„Spam-Man“ wird er genannt, weil seine Firmen CPM Media und AdsCPM so genannte Spyware anbieten, also Programme, die Daten der Surfer auskundschaften und dann die meist ahnungslosen Internetnutzer mit Werbung bombardieren. Das anrüchige, aber nicht ausdrücklich verbotene Geschäft hat seine Firmen auf den Index von Internet-Sicherheitswächtern gebracht. Verständlich, dass sich Begg-Smith bei den Olympischen Winterspielen in Turin nicht groß und breit über seine Unternehmungen austauschen wollte. „Ich weiß gar nicht, warum ich hier ständig über meine Firma reden soll. Ich habe gerade Olympiagold gewonnen.“ Außerdem habe er zuletzt die Geschäfte ruhen lassen, um sich auf die Spiele vorzubereiten. Vor einem Jahr klang das noch ganz anders. Da machte er sich über andere Buckelpistenpiloten lustig, die ständig ins Fitnesscenter gehen würden oder auf die Piste, während der Großverdiener lieber Geschäftstermine in Japan erledige.

Im Weltcup hat Begg-Smith in diesem Winter dominiert. Spam-Mans Technik ist ziemlich ausgereift. Der Ritt über die Buckel ist neben der Tyrannei der Internetgemeinde seine zweite große Leidenschaft. Mit perfekter Hüfthydraulik versteht es Begg-Smith, die Huggel und Schlaglöcher zu befahren – zwischendurch streut er ein paar spektakuläre Sprünge ein, etwa einen rotierenden „720 off-axis spin“, wie es im Slang der Skiszene heißt. Aufgewachsen ist er in Kanada. Dort kam er zum Freestyle. Mit 15 hatte er schon genug davon.

Erst ein Trainer, Steve Desovich, ein Kanadier, der nach Australien gegangen war, überredete Begg-Smith zum Weitermachen. Der Kanadier wurde kurzerhand Australier – und Olympiasieger obendrein. Er ist erst der dritte Winterolympionike für den Kontinent – nach Alisa Camplin, die 2002 das Freestyle-Springen in Salt Lake City gewonnen hatte, und dem Speed Skater Steven Bradbury. Dale Begg-Smith Bruder Jason kurvte in Souze d’Oulx übrigens auch über den Hindernis-Parcour. Er war weniger erfolgreich, landete nur auf Platz 29. Eine Fahrt im italienischen Sportwagen sollte ihn trösten.

MARKUS VÖLKER