DIE FUSSBALL-LIGA EINIGT SICH IM STREIT UMS TV-GELD

Erzwungener Solidarpakt

Die Deutsche Fußball-Liga hat ein neues Verteilungssystem für das Fernsehgeld beschlossen. Ab Sommer kann sie 420 Millionen Euro pro Saison auf die Vereine verteilen. Gutes Geld gibt es künftig nur noch für Leistung. Zwar wird jeder Klub mehr erhalten als bisher, aber die Großen bekommen einen noch höheren Anteil. Das ist ein kleiner Schritt weg vom alten Solidarsystem, bei dem jedem Verein eine feste Garantiesumme zustand – und ein Aufbruch in eine völlig neue Richtung.

Eine Aufteilung nach Leistung mag auf den ersten Blick fair wirken. Aber sie führt auf eine falsche Fährte: zur dezentralen Vermarktung, zu einem System, in dem jeder Fußballverein seine TV-Rechte eigenmächtig verkauft. Davon distanzieren sich im Moment noch alle Klubs. Trotzdem hatte der FC Bayern im Laufe der Verhandlungen um die neue Regelung mit dieser Überlegung gedroht. Den Bayern käme es recht, ihre Spiele selbst zu verschachern. Doch bisher braucht der Rekordmeister die nationale Liga – und wenn deren Teams nur die Komparsenrolle spielen.

Wohin die absolute Aufteilung nach einem Leistungsprinzip führt, zeigt sich in Italien. In der Seria A vermarktet jeder Verein seine Rechte selbst. Jeder bekommt, was er auf dem freien Markt wert ist. Juventus Turin erhält für zwei Spielzeiten 248 Millionen Euro, Inter Mailand hat für den gleichen Zeitraum einen Vertrag über 200 Millionen unterschrieben. Kleine Mannschaften bekommen nur einen Bruchteil, der FC Livorno konnte lediglich zehn Millionen Euro aushandeln. Die Schere zwischen armen und reichen Klubs klafft: Die Großen spielen die Meisterschaft unter sich aus, die Kleinen kicken vor wenigen tausend Zuschauern und drohen verzweifelt mit Boykott.

Die deutschen Verantwortlichen sehen das Problem zwar. Handeln werden sie aber trotz aller guten Vorsätze allein nach ihren eigenen Vereinsinteressen. Italien lässt grüßen. Eines ist bei aller vorläufigen Solidarität der Großen mit den Kleinen ganz klar: Bei 240 Millionen Euro würden auch die Bayern nicht mehr Nein sagen. CHRISTIAN MEYER

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