SCHÖNE MÄNNER, FREIE NATUR: „PORTRAIT OF A THE FIGHTER AS A YOUNG MAN“ (FORUM)

The Universal Partisan

Fast acht Jahre verfolgen wir versprengte Haufen eines antikommunistischen Widerstands in Rumänien. Die Kamera in „Portrait of the Fighter as a Young Man“ von Constantin Popescu ist so sprunghaft, flexibel und geistesgegenwärtig wie die mutigen jungen Männer, die mal in leinwandfüllenden Kornfeldern, dann in dunklen Abgründen lagern, weiß Gott geländegängig. Einblendungen genauer Daten informieren uns über den Ort der jeweiligen Scharmützel und über die Zeit, die zwischen den Szenen vergeht. Partisanen stellen Regierungstruppen eine Falle, Partisanen geraten selber in die Falle, Partisanen enttarnen Verräter, Verräter liefern Partisanen ans Messer, Partisanen werden gefoltert, Partisanen frieren, Partisanen haben Hunger.

Dann neues Datum, der nächste Fall. Die einzige Entwicklung zwischen 1949 und 1957 ist eine Verschlechterung ihrer Chancen. Je schlimmer die Lage, desto weniger hektisch bolzen die Reißschwenks zwischen den Mündungsfeuern hin und her, desto häufiger gönnt sich der Film erhabene Naturbilder, Kompositionen mit Schatten. Ruhige Kompositionen indizieren eben das Ende.

Wir erfahren nicht viel über sie. Sie sind wortkarg und handeln einvernehmlich, so wie schöne bewaffnete Männer in der freien Natur das halt tun. Dafür reden die Feinde umso mehr. Securitateschweine sabbeln sich den beschnauzbarten Karikaturenmund fusselig, bevor sie foltern oder über Bauernfamilien herfallen. Natürlich gab es viele Gründe, das prosowjetische Regime zu bekämpfen: liberale, sozialdemokratische, durchaus auch kommunistische, aber eben auch faschistische, klerikalkonservative, antisemitische. Um welche es sich handelt, bleibt dunkel. Nur ex negativo können wir die Motive dieser Kämpfer erraten: Man müsste sie dann Gotteskrieger nennen; denn die Kommunisten sind besonders böse, wenn es gegen Gott geht. Bald wird das aber egal und das Gefühl macht sich breit, einen universalen Partisanen kennen zu lernen, das Äquivalent zum „Universal Solider“. Der Kampf ist sich selbst genug. Mit den strategischen Illusionen – die Hoffnung, dass Engländer und Amerikaner zu Hilfe kommen – gehen auch etwaige ideelle Resourcen verloren. Nur so, im steten Krieg mit den jeweils Herrschenden, kann ein Mann leben: irgendwo zwischen dem späten Che und US-Survivalism.

DIEDRICH DIEDERICHSEN

■ Heute, 13.30 Uhr, Cubix 7; So, 21.2., 20 Uhr, Cubix 9