Streit um Dalai-Lama-Kritiker

UMSTRITTENER VORTRAG Jusos in Bremerhaven zürnen über Auftritt eines Autors, Stadtbibliothek bleibt locker

Die Jusos in Bremerhaven sind derzeit so stark in Wallung, wie sie es vermutlich noch nie waren. Der Grund: Mit Colin Goldner kommt ein Autor in die Stadt, der zu den umstrittensten Kritikern des Dalai Lama gehört.

Dann könnte man auch mit der NPD über ‚Mein Kampf‘ diskutieren, sagen die Jusos

Goldner, der sich gelegentlich auch auf der Wahrheit-Seite der taz zu Wort meldet, soll in der dortigen Stadtbibliothek einen Vortrag halten zum Thema „Der Dalai Lama. Eine Entmystifizierung“. Das allein ist es aber nicht, was die Jusos aufbringt, sondern Goldner und seine mitunter holzschnittartig und brachial-vereinfachend formulierten Ansichten über den tibetischen Buddhismus und seinen geistigen Führer.

Der, so heißt es in Goldners Buch „Fall eines Gottkönigs“ „salbadere“ daher und trage ein „dämliches Grinsen“ zur Schau. Goldner sägt am Denkmal des Dalai Lama, an dem auch hierzulande heftig mitgemeißelt wurde. So sei die Geschichte des Lamaismus „von Gewalt und Unterdrückung“ geprägt, Kinder würden „systematisch“ missbraucht, „frauenverachtende tantrische Rituale“ stünden auf der Tagesordnung. Goldner, so urteilte die FAZ, werde nicht müde, Religion und Kultur der Tibeter schlecht zu machen und die Rolle Chinas zu verharmlosen. Folter? „Maßlos übertrieben“, findet Goldner.

Umstrittene Thesen, die – meinen die Jusos – erst gar nicht diskutiert werden müssen, zumal Goldner auf Einladung des Vereins Literatur und Politik und der Rosa-Luxemburg-Initiative – also dem Stiftungsableger der Linkspartei – im öffentlichen Raum reden dürfe. „Dann könnte man ja auch den NPD-Vorsitzenden Udo Voigt aus ‚Mein Kampf‘ lesen lassen und mit ihm darüber diskutieren“, sagt der Juso-Vorsitzende Denis Pijetlovic. Jeder, der menschenverachtende Thesen in die Welt setze, sei „gleich schlimm“, weshalb die Jusos für eine Absage des Vortrags eintreten. Bei der Stadtbibliothek denkt man nicht daran. Goldners Ansichten sehe man „als eine Meinung an, über die man diskutieren kann“. Die Jusos seien herzlich eingeladen. FEZ