selbst iren irren irgendwann von RALF SOTSCHECK

Deutschland ist im Fußballfieber. Irland nicht. Und das wird auch so bleiben. Nach den erbärmlichen Qualifikationsspielen zur Weltmeisterschaft in Deutschland, bei der sich die Iren darauf spezialisierten, in der Nachspielzeit Tore zu kassieren, warf man den Trainer Brian Kerr hinaus. Die Nation wartete mit mäßigem Interesse auf den Nachfolger.

Am Freitag wurde er offiziell bekannt gegeben. Es ist der irische Rekordnationalspieler Steve Staunton. Er ist 36 Jahre alt und hat noch nie eine Mannschaft trainiert, nicht mal eine Schülerauswahl. Deshalb stellt man ihm Sir Robert Robson als Berater zur Seite, der große Erfahrung als Trainer hat: Er wurde von Fulham, Ipswich, Eindhoven, Porto und dem FC Barcelona entlassen, und als Trainer der englischen Nationalmannschaft haben sie ihn auch gefeuert. Zuletzt warf ihn Newcastle vor anderthalb Jahren hinaus, weil er die Fans beschimpft hatte.

Robson, der in einem Monat 73 wird, ist taktisch gewieft. „Die ersten 90 Minuten eines Spiels sind die wichtigsten“, philosophierte er einmal. Und er ist vorsichtig: „Wenn man seine Hühner zählt, bevor sie schlüpfen, werden sie keine Eier legen.“

Ein Pluspunkt für den Job in Irland ist sein gefestigter Glaube: „Schaut euch diese Olivenbäume an. Sie sind 200 Jahre alt – also aus der Zeit vor Christus.“ Der irische Verband schätzt Robsons prophetische Gabe. „In einem Jahr ist er ein Jahr älter“, mutmaßte er über einen Spieler. Und er weiß, wie die Brasilianer zu schlagen sind: „Es wird ein Spiel geben, in dem jemand mehr Tore schießt als Brasilien, und das könnte das Spiel sein, das die Brasilianer verlieren.“ Sollte es doch schief gehen, weiß er, woran es lag: „Wir haben den Gegner nicht unterschätzt. Er war aber viel besser, als wir dachten.“ Robson ist viel in der Welt herumgekommen. „Sarajevo ist nicht Hawaii“, stellte er einmal überrascht fest. Über seinen Beruf macht er sich keine Illusionen: „Als Maler wirst du nicht reich, bis du tot bist. Das gilt auch für Fußballtrainer. Die Leute schätzen dich erst, wenn du weg bist. Genau wie bei Picasso.“ Deshalb wollte er eigentlich eine ganz andere Laufbahn einschlagen: „Ich hätte meinen rechten Arm dafür gegeben, um Pianist zu werden.“

Er ist aber Trainer in Irland geworden. Der irische Verband hatte wohl einen Hintergedanken, als er Steve Staunton und Robert Robson einstellte: Beide Namen sind eine doppelte Alliteration. Man hat wahrscheinlich beim Weltfußballverband Fifa die Genehmigung eingeholt, dass künftig alle Spieler, deren Namen ebenfalls doppelte Alliterationen sind, unabhängig von ihrer Nationalität für Irland spielen dürfen. Jens Jeremies aus Deutschland, der Grieche Kostas Konstantinidis, Marco Materazzi aus Italien und der Russe Sergej Semak haben vermutlich bereits zugesagt.

Star des Teams ist der Franzose Zinedine Zidane. Mannschaftskapitän aber wird der Mann mit der perfekten Alliteration: Ibrahim Ibrahim aus Ägypten. Nur beim Torwart ist man nicht fündig geworden. Den Antrag, Toni Torek zu reaktivieren, beschied die Fifa abschlägig. „Erstens heißt der Mann mit richtigem Namen Anton Turek“, schrieb der Weltverband, „und zweitens ist er seit mehr als 20 Jahren tot.“