was macht eigentlich... … Bulette?

Leider nichts mehr

Liebe Trauergemeinde, es gilt einen Verlust zu beklagen: Bulette ist nicht mehr. Am letzten Tag des alten Jahres brachte ihr eine Spritze den Tod, nach langem Beinleiden wohl eine Erlösung für die Hochbetagte. Und sagen Sie nicht, 53 sei kein Alter. Für ihre Artgenossen ist es das durchaus.

Wer von Ihnen in den vergangenen Jahren das Flusspferdhaus im Zoo besuchte, konnte oft einen Blick auf die Dickhäuterin erhaschen. Einer ihrer Lieblingsplätze war vorne links hinterm Panzerglas. Dort untergetaucht, verbrachte sie meist regungslos ihre langen Mußestunden. Lediglich zum Atemholen und zum Vertilgen nasser Brotlaibe setzte sie sich in Bewegung. Wer wollte es ihr übel nehmen? Nur unter Wasser und in trägem Verharren lassen sich mehrere Tonnen Lebendgewicht in diesem Alter ertragen.

Zwanzig Kindern hat sie das Leben geschenkt. Dabei war ihr eigener Vater – wir können das ganz offen sagen – gleichzeitig der Erzeuger einiger dieser zwanzig: Knautschke, der legendäre Bulle, der als einziges Flusspferd in Deutschland den Krieg überlebt hatte. Um späte Schwangerschaften und damit verbundene Anstrengungen auszuschließen, verabreichte das Zoopersonal Bulette zuletzt täglich eine faustgroße Verhütungspille.

Aber wissen Sie, was das Schönste war? Trotz des ihr angedichteten Urberliner Namens und der Vereinnahmungsversuche durch Frontstadtpublikum und Springerpresse war ihr alles Volkstümliche wurscht: Sie war nun mal ein Flusspferd, nicht mehr und nicht weniger. Wir wünschen ihr geruhsames Grasen auf dem Grund der ewigen Flüsse. CLP FOTO: AP