Statistik kann bekanntlich alles belegen

ZAHLEN ZUR KRIMINALITÄT

Die Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) ist ein Ritual. Politiker aller Seiten nutzen die Gelegenheit, ihr Süppchen daraus zu kochen: Die Regierung lobt ihre Arbeit, die Opposition kritisiert sie – und die Polizei fordert mehr Polizisten. Nur ganz selten macht sich jemand Gedanken über die Sinnhaftigkeit der erhobenen Zahlen.

Vorigen Montag war es fast so weit: Da befragte die Piratenfraktion den Polizeipräsidenten zu dem Teil der Statistik, der sich mit der Staatsangehörigkeit von Tatverdächtigen befasst. Dazu findet sich in der PKS der Satz: „Darüber hinaus kann die Prägung durch Werte und Normen anderer Kulturen zu Konflikten führen und abweichendes bzw. delinquentes Verhalten begünstigen.“ Wie das gemeint sei, wollten die Piraten wissen: Ob US-Bürger oder Chinesen aufgrund ihrer Kultur hierzulande eher kriminell würden? Ja, antwortete Klaus Kandt: Man könne in der Tat beobachten, dass etwa Asiaten weniger gewaltbereit seien als Südosteuropäer.

Asiaten seien weniger gewaltbereit als Südosteuropäer, sagt Berlins oberster Polizist

Der oberste Polizist Berlins ist also der Ansicht, die „südosteuropäische“ Kultur führe zu einem erhöhten kriminellen Verhalten? Wenn das kein Rassismus ist.

Dabei ist die Polizei eigentlich weiter. Ein paar Sätze vorher heißt es in der PKS, dass die Ursachen von Kriminalität vielfältig sind: „Als relevante soziologische Einflussfaktoren sind beispielhaft der Bildungsstand, mangelnde Sprachkenntnisse, eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit, der Freundeskreis und die finanzielle Situation zu nennen.“ Nur werden diese Faktoren in der Statistik nicht erfasst.

Dabei wäre es bestimmt erhellend, zu erfahren, wie viele Tatverdächtige keinen Schulabschluss haben, aus armen Verhältnissen kommen oder selbst Gewalt erlebt haben. Wenn man das wüsste, könnte eine entsprechende Sozialpolitik vielleicht sogar etwas bewirken. Das würde aber teuer.

Man könnte die Statistik auch ausweiten. Steuervergehen etwa werden in ihr nicht erfasst. Nähme man sie dazu, würde die Zahl der deutschen männlichen 40- bis 65-jährigen Straftäter wohl sprunghaft ansteigen. Man könnte auch die Zahl der Tatverdächtigen, von denen die PKS redet, mit jener der tatsächlich verurteilten Täter vergleichen. Das gäbe wieder ein anderes Bild, denn die Vermutung liegt nahe, dass Menschen mit „südosteuropäischem“ Aussehen öfter einer Straftat verdächtigt werden – Stichwort Racial Profiling.

Das alles aber tut man nicht. Und so bleibt es dabei: Jeder, der es will, kann aus der PKS herauslesen, dass „die Ausländer“ besonders kriminell sind. Was zu beweisen war.