KUNST

Die umstrittene Ausstellung „De l’Allemagne“ im Pariser Louvre endet nicht, wie im Untertitel versprochen, 1939 und mit Beckmann, sondern in der Gegenwart eines Anselm Kiefer, der den Teutonenpathos seiner Holzschnittserie „Der Rhein“ von 1982 noch einmal neu aufgelegt hat. Céline und Heiner Bastian zeigen parallel Werke aus der Reihe in ihrem Ausstellungsraum in Berlin. Die Holzdrucke formulieren eine düstere Rheinromantik, in der Kiefer persönliche Erinnerungen mit mythologischen Fragmenten verquickt. Den Betrachterblick leitet er zwischen verkohlten Baumstämmen hindurch zu Bunkerruinen aus dem Weltkrieg, zu Odins Burg „Walhall“, einer „dem unbekannten Maler“ gewidmeten Ruhmeshalle oder durch die Luft schwebenden Polyedern. In einem Brief des Künstlers an den scheidenden Direktor des Louvre verbrämt er seinen Zyklus nibelungentreu als „Schichten eines großen, vielschichtigen, oft gegensätzlichen Gesanges“ und proklamiert eine „zentrifugale Kraft auf dem Weg ins Unendliche“. Doch Kiefers Bedeutungsschwangerschaft wirkt leider nicht mehr kraftvoll, sondern nur noch plakativ. (Galerie Bastian, bis 14. September, Do.–Fr. 11–17.30 Uhr, Sa. 11–16 Uhr, Am Kupfergraben 10)

Als „Dekoration“ bezeichnet Christoph Ruckhäberle seine abstrakten Bilder, die Christian Ehrentraut momentan präsentiert. An den Wänden hängen große abstrakte Blätter in irren Farbkombinationen, als seien hier Musterbögen eines Designers für psychedelische Geschenkpapiere ausgestellt. Geometrisch greifen Streifen und Winkelfiguren ineinander, bunte Schlaufen verwirren sich zu schrillen Farbknäueln. Manches erinnert an Klee, anderes an Miro, alles an Op-Art und Acid-Rausch. Doch sind die Bilder eher eine Recherche des Künstlers in die eigene Ikonografie. In seiner figurativen Malerei tauchten diese Muster bisher eher im Detail auf. Nun haben sie begonnen, ein ungegenständliches, aber sehr direktes Eigenleben zu führen. (Galerie Christian Ehrentraut, bis 11. Mai, Di.–Sa. 11–18 Uhr, Friedrichstr. 123)

Lebendig wird es auch beim Bildhauer Claus Larsen. Schon die ersten beweglichen Automaten der Renaissance schlugen so die Brücke zur unbewegten antiken Plastik. 500 Jahre später zerlegten sich dann Jean Tinguelys kinetische Kunstobjekte mit furioser Macht selbst. Larsens experimentelle Ausstellung „I Kill You Before I Leave“ geht nun vom Geräusch aus, das eine Bewegung erzeugt. Seine großformatigen Skulpturen werden zu rhythmischen Maschinen, ihr Resonanzkörper ist eine historische Raumerweiterungshalle. (REH Kunst, bis 28. April, Do.–Sa. 14–19 Uhr und nach Vereinbarung, Kopenhagener Str. 17)