Zukunft des Buchhandels

Ich Buch, du E-Book

Das gute alte Buch aus Papier wird nicht aussterben. Das liegt auch an den Verlagen selbst, denn: Ein elektronisches Buch soll fast genauso viel kosten wie eines aus Papier.

An das Lesegefühl eines Buchs kommen E-Books noch nicht ran.  Bild: ap

Ist das Buch vom Aussterben bedroht? Die Rede vom Ende des Buchs, wie wir es kennen, ist jedenfalls kaum zu überhören. Der Hype um das Lesegerät Kindle von Amazon oder Apples iPad geben dieser Behauptung immerzu neuen Stoff. Doch was genau sagen die Verlage zur Entwicklung des Markts für Lesegeräte und elektronische Bücher? Alles nur heiße Luft? Gibt es Zahlen, Daten, Fakten?

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Für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels steht außer Frage: "E-Books sind der Markt der Zukunft." Vor allem bei den jungen Generationen stößt das E-Book auf große Sympathie. Eine Studie des Börsenvereins ergab, dass bereits die Hälfte der 20- bis 29-Jährigen mit dem Medium vertraut ist. Hoffnungen setzt man dort auf "attraktive" Technologien: "Mit dem iPad von Apple sind wir einen großen Schritt weiter, denn nun ist ein Gerät auf dem Markt, das bei den Nutzern auf vielfaches Interesse stößt." Erfreulich sei auch, dass sich Apple für das Format ePub entschieden habe, was zu einer Standardisierung beitragen könne. Dieses Format erlaubt im Gegensatz zu dem bekannteren PDF eine dynamische Anpassung des Textes an die jeweiligen Lesegeräte.

Doch herrscht in Formatfragen weitgehend Unklarheit, und einen richtigen Standard gibt es noch nicht. Das scheint für die Verlage eines der zentralen Probleme zu sein. "Zuallererst muss sich ein Standardformat für E-Books herausbilden", sagte eine Sprecherin des Hanser Verlags der taz, erst dann könne man weitere Schritte unternehmen.

Auch der Berliner Verbrecher Verlag hält sich vorerst zurück. "Die Formatfrage bei E-Books ist ähnlich der Frage Betamax oder VHS? Da möchten wir nicht als Betamax-Verlag dastehen, auch wenn das vielleicht kultig ist." Aus der Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels geht außerdem hervor, dass Unterschiede zwischen den Sachgruppen bestehen. Mit 42 Prozent liegen die Fachbücher vorne, dann kommen die Sachbücher mit 35 Prozent. Die Belletristik macht lediglich 26 Prozent der heruntergeladenen E-Books aus.

Laut einem Sprecher des Rowohlt Verlags ist dies auch nicht verwunderlich, schließlich sei der Digitalbuchmarkt für die deutschsprachigen Publikumsverlage ein völlig neuer und erst langsam entstehendes Geschäftsfeld. "Da ist es wenig überraschend, wenn der Absatz der Digitalbücher an unserem gesamten Buchabsatz in den ersten zwei Monaten des Jahres 2010 erst 0,15 Prozent ausmachte." Auch der Hanser Verlag sieht feine Unterschiede bei der Leserklientel: "Für Gebrauchsliteratur scheint das E-Book jedenfalls eine Option zu sein".

Ein Problem für eine baldige Durchsetzung des E-Books sind die Preise, die im Vergleich zum Papierprodukt hoch ausfallen. Was Preispolitik angeht, schätzt der Rowohlt Verlag die Zukunft des E-Books folgendermaßen ein: "Wir stehen auf dem Standpunkt, dass der Preis eines elektronischen Buches dem der jeweils günstigsten regulären analogen Buchausgabe entsprechen sollte." Auch der Hanser Verlag sieht ein ähnliches Modell vor.

So kostet die E-Book-Version des aktuellen Titels des schwedischen Krimiautors Henning Mankell, "Der Chinese", 21 Euro und ist damit kaum günstiger als das Hardcover, was für 24,90 Euro zu haben ist. Die relativ hohen Preise sind für den Hanser Verlag ein Indiz dafür, dass das gute alte Buch nicht aussterben wird. 21 Euro für ein Buch, das man nach dem Kauf nicht in der Hand halte? Das stehe für sie in keiner Relation. "Für diejenigen, denen der Akt des Lesens und die haptisch-sinnliche Erfahrung eine Rolle spielt, ist das E-Book keine Alternative. Es ist halt ein perfektes Objekt, das Buch." Das hört sich wohl kaum nach dem Ende des Buches an. Eher zeichnet sich hier ein Kampf um kulturelle Distinktion ab.

 

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