Neue Superhelden-Serien im Fernsehen

Stark wie sonst niemand

Mit „The Flash“ und „Gotham“ starten zwei altbekannte Superhelden-Mythen als Serien. Was fesselt die Zuschauer an diesen Geschichten?

Außerhalb des Normalen: der Superheld. Bild: photocase/T'obi Wahn

Was fasziniert uns an diesen maskierten Superhelden, dass wir nicht genug von ihnen bekommen können, dass wir ihre Geschichten immer wieder sehen, immer wieder neu erzählt, aber im Kern immer gleich? Zwei neue Serien geben Hinweise auf Gründe für die ungebrochene Popularität der Superhelden-Stoffe.

Da ist zum einen „The Flash“ – einer der ersten großen Superhelden überhaupt, auch wenn er nie die Bekanntheit von Superman oder Batman erreicht hat. Der grundsympathische, aber etwas tollpatschige Polizeiforensiker Barry Allen wird im Zuge eines misslungen Experiments vom Blitz getroffen und kann plötzlich schneller laufen als der Schall. Damit kann er nicht nur in seinem Job auftrumpfen, sondern auch die Suche nach dem Mörder seiner Mutter neu angehen, um seinen unschuldig verurteilten Vater zu entlasten.

Der Rote Blitz, wie Allens Superheld in Deutschland auch heißt, steht stellvertretend für den Wunsch von uns Durchschnittsmenschen, die wir vom Alltag genervt sind; vom Zuspätkommen, vom Herumstolpern, von den ewigen Missverständnissen und Ärgernissen: Wenn wir doch selbst einfach Superkräfte entwickeln würden! Wir könnten endlich den Mut aufbringen, Menschen in Not zu retten, Verbrechen und schreckliche Unfälle verhindern oder zumindest all diejenigen beeindrucken, die uns sonst nie beachten.

„The Flash“ ist eine gut gelaunte, aber nicht überdrehte Superhelden-Version ohne zu viel Tiefgang oder Pathos, jedoch smart und kurzweilig genug und mit dem notwendigen Augenzwinkern geschrieben, um dem Genre wieder etwas von der Unschuld und Leichtigkeit früherer Superheldencomics zurückzugeben.

Leichtigkeit adé

An Leichtigkeit und Unschuld ist die zweite Serie, die ProSieben ab Dienstag zeigt und die ebenfalls auf einem altbekannten Comic-Szenario basiert, nicht interessiert. Dennoch macht auch „Gotham“ deutlich, warum wir Superhelden sehen wollen: Die visuell bemerkenswert inszenierte und toll geschriebene Neo-Noir-Serie erzählt die Vorgeschichte des bekannten Fledermaus-Helden und beginnt mit dem Überfall und Mord der Eltern des kleinen Bruce Wayne, springt dann aber nicht in die Zukunft zu dessen ausgewachsenen Alter Ego „Batman“, sondern verharrt in der Gegenwart.

Gotham ist ein düsterer Moloch, der im Sumpf von Verbrechen und Korruption versinkt, alle haben sich irgendwie damit arrangiert. Nur der ambitionierte Detective James Gordon will die wahren Verbrecher hinter Gitter bringen, muss seinen Kampf aber an viel zu vielen Fronten kämpfen und gerät natürlich in die Schusslinie der kriminellen Strippenzieher.

Für Batman-Fans findet „Gotham“ einen originellen Ansatz, um die bekannten Geschichten und Charaktere aus einer wirklich neuen Perspektive zu erzählen: Nicht nur der spätere Batman ist in dieser Adaption lediglich ein traumatisierter Junge, auch Schurken wie die undurchschaubare Catwoman oder der kuriose Pinguin schlagen sich noch ohne Maske durch die Stadt.

Im Getriebe der Macht

Schnell wird deutlich, dass Detective Gordon noch so guten Willens sein kann, er bleibt ein Rädchen im Getriebe der Macht. Etwas bewirken könnte hier nur jemand, der sich autonom außerhalb des Systems bewegt. Doch der schwarze Schutzengel wird Gotham in dieser Serie nicht erlösen. Und das führt uns seine Abwesenheit umso schmerzhafter vor Augen: Wir sehnen uns nach Superhelden, die uns nicht enttäuschen, die nicht auf die Verlockungen von Macht und Geld hereinfallen.

Wir brauchen sie, um uns daran zu erinnern: Eine bessere Welt ist möglich.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de