WM-Viertelfinale Niederlande - Costa Rica

Historische Halbfinals komplett

Auch wenn tapfere Costa Ricaner sich wehren, erreichen die Niederlande schließlich nach Elfmeterschießen das Halbfinale. Dort wartet Argentinien.

Hält alles, nur keine Elfmeter: Costa Ricas Keeper Keylor Navas. Bild: ap

Die Startbedingungen: „Bei gegnerischem Ballbesitz sind wir die vielleicht beste Mannschaft der Welt“, hat der holländische Trainer Louis van Gaal die Tage gesagt. Vielleicht stimmt das auch. Dumm nur, wenn man es mit einem Gegner zu tun hat, der den Ball ebenfalls lieber dem Gegner überlässt. Im Achtelfinale gegen Griechenland fühlte sich Costa Rica streckenweise in der Pflicht, die Initiative zu übernehmen. Aber gegen Holland? Nö.

Das Spiel: Die Holländer tun sich schwer mit einer gut organisierten costa-ricanischen Mannschaft, die mit einer Fünferkette in der Abwehr und einem ebenfalls defensiven Vierer-Mittelfeld davor spielt. Allerdings zeigen die Costa-Ricaner einige Konzentrationsschwächen – vielleicht sind sie ja doch nervös, jetzt, wo sie so weit gekommen sind. Zweimal eröffnen sich so Chancen für Holland, stets hält der costa-ricanische Torwart Keylor Navas glänzend – gegen Robin van Persie und den Nachschuss von Wesley Sneijder (22. Minute) und gegen Depay (29.Minute).

Auch einen Freistoß von van Persie wehrt Navas mit einer tollen Parade ab (39. Minute). Auf der anderen Seite passiert nach vorne so wie gut nichts. Dafür funktioniert die costa-ricanische Abseitsfalle bestens. In der zweiten Hälfte wird Costa Rica etwas gefährlicher und hat Pech, dass Joel Campbell nach einem Foul von Stefan de Vrij keinen Elfmeter bekommt (61. Minute) – vielleicht fällt der ansonsten unauffällige Stürmer auch zu robbenesk. Mitte der zweiten Halbzeit ist Costa Rica stärker, vor allem bei Attacken über die linke Seite mit Bryan Ruiz. Dann kommt wieder Holland, kann jetzt sogar kontern und hat die größten Chancen der regulären Spielzeit.

Einmal scheitert van Persie an Navas (84. Minute), ein andermal verpasst er frei vorm Tor stehend eine Flanke von Sneijder. Dazu knallt Sneijder einen Freistoß an den Pfosten (82. Minute). Und in der Nachspielzeit rettet Yeltsin Tejada auf der Linie. Puh! In der Verlängerung geht's genau so weiter. Arjen Robben versenkt einen unberechtigten Freistoß in die Mauer (103. Minute), Navas hält, was ihm in die Quere kommt.

Holland stürmt inzwischen zu viert, die Costa-Ricaner verteidigten nur noch. Aber das machen sie gut, allen voran Abwehrchef Giancarlo Gonzalez. Die Höhepunkte: Sneijder schießt den Ball an die Latte (119. Minute). Kurz davor scheitert Christian Bolanos aus nächster Nähe am holländischen Torwart Jaspar Cillessen. Der wird kurz darauf ausgewechselt. Louis van Gaal bringt fürs Elfmeterschießen Ersatztorwart Tim Krul.

Der Moment des Spiels: Krul hält den zweiten Elfmeter von Ruiz. Und den fünften Strafstoß von Umana. Für Holland verwandeln van Persie, Robben, Sneijder und Kuijt. Alle souverän. 4:3, fertig.

Der Spieler des Spiels: Navas. Der Mann hält alles, nur keinen Elfmeter. Oder nein, der Preis geht an die ganze Mannschaft, inklusive Trainer Jorge Pinto. Oder gleich an ganz Costa Rica. Weil dieses Team gezeigt hat, warum Fußball ein so wunderbares Spiel ist.

Die Pfeife des Spiels: Keiner. Wer will an so einem Abend kleinlich herumnörgeln?

Die Schlussfolgerung: Deutschland, Brasilien, Argentinien und Holland stehen im Halbfinale. So Kinder, jetzt geht mal brav ins Bett und lasst die Erwachsenen unter sich.

Und sonst? Ein geiles Spiel. Und egal, wer den Titel holt, der eigentliche, heimliche, herzensmäßige Weltmeister heißt spätestens nach diesem Spiel Costa Rica.

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