Lesbare Grünräume

Die Landschaftsarchitektin Gabriele G. Kiefer kreiert mit geometrischen Bauformen emanzipierte Freiräume

Dass Landschaftsarchitektur heute bei Berliner Stadtplanern und Architekten nicht mehr als eine jeglicher Gestaltung abholden Pflanzenzählerei im Verruf steht, daran hat Gabriele G. Kiefer einen erheblichen Anteil. Vom ersten Wettbewerb 1989, schon hier an der Seite und vor allem auf gleicher Augenhöhe mit der Hochbauplanerin, bis heute nimmt die Freiraumgestalterin das Primat ihres Fachs als eigenständige Profession in Anspruch. Dem wird durch ein unlängst erschienenes Buch mit dem Titel „Rekombinationen“ nun opulent Nachdruck verliehen.

Anhand von Piktogrammen zeigt Kiefer ihre jeweiligen stadt- beziehungsweise landschaftsräumlichen Intentionen auf. Die gewählten Typologien sind Platz, Garten, Weg und Park, für die jeweils vier Beispiele aufgeführt werden. Allen Anlagen gemein ist der gleichwertige Einsatz von meist geometrischen Bauformen, etwa Wände oder Sitzblöcke, sowie Pflanzen. Ähnlich sind die Texte zu lesen, nämlich als Zusammenprall mehrerer Ebenen, die – dargebracht als Thesen – von Foucaults „Epoche des Raumes“ bis hin zur „Botschaft des Materials“ reichen. Kiefer spricht treffend von einer „mehrwertigen Entwurfslogik“, die in verdichtete, für den aufmerksamen Beobachter dennoch lesbare Grünräume mündet.

Beispielhaft für die Methodik von Kiefer ist der Hans-Baluschek-Park. In dem sich entlang der S-Bahn-Linie zwischen den Bahnhöfen Priesterweg und Papestraße sich erstreckenden Grünzug schuf die Landschaftsarchitektin mit drei Faktoren einen unverwechselbaren Ort: Die Inszenierung des weiten Blicks auf die Silhouette der Stadt, die stringente Wegführung parallel zur Gleisstraße und die Reduktion der Gestaltung auf wenige Formen und Materialien.

Etwas Ähnliches wird demnächst nahe dem Auswärtigen Amt realisiert, wo Kiefer einen Wettbewerb um zwei kleine Parks auf dem Friedrichswerder für sich entscheiden konnte. Damit wird die Reihe von Landschaftsgestaltungen fortgesetzt werden, die Stadt Stadt und Natur Natur sein lassen.