Die neuen Codes der jungen Nazis

Von wegen Glatze, Springerstiefel und weiße Schnürsenkel: Der Neonazi von heute gibt sich unauffällig, vielseitig, sportlich, vor allem aber schick – und wird von Gleichgesinnten dennoch als Angehöriger der rechten Szene erkannt. Ein kleiner Überblick über braune Symbole und Kennzeichen

Den Hitler-Gruß kennen alle. Das Hakenkreuz sowieso. Und wer sich mit einem grünen Militäranzug und einem schwarz-rot-weißen Reichskriegsemblem an der rechten Schulterseite in der Öffentlichkeit sehen lässt, dürfte ebenfalls nicht lange unbehelligt bleiben.

Doch die Zeiten sind vorbei, in denen man Rechtsextremisten allein an der Glatze, der Bomberjacke und den Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln erkennen konnte. Skinheads gelten in der rechten Szene inzwischen als old school und sind nur noch vereinzelt auf Aufmärschen in der tiefen Provinz zu sehen. Der moderne Neonazi gibt sich unauffällig, vielseitig, sportlich, vor allem aber chic – und wird von Gleichgesinnten dennoch als Angehöriger der rechten Szene erkannt.

Tarnen und Täuschen – das Aufstellen neuer Codes hat sich in den vergangenen Monaten in der rechten Szene zum wahren Volkssport entwickelt. Je kniffliger, desto besser. Zum Leidwesen derer, die diese Codes nicht erkennen. So manch einen Mathelehrer hat es zur Weißglut getrieben, wenn er Zahlen an die Tafel schrieb und die halbe Klasse in grölendes Gelächter ausbrach. Ist die 88 auf dem T-Shirt bloß ein sportliches Design – oder eine politische Aussage? Kann der brave Junge im frisch gebügelten Karohemd in der ersten Reihe trotzdem ein Nazi sein? Und der Jugendliche mit Punkerfrisur hinter ihm etwa auch?

Ein zweiter, fast noch gravierenderer Nebeneffekt: Auch unter zunächst rechtsextrem unbedarften Jugendlichen erfreut sich das Versteckspiel zunehmender Beliebtheit. Der Eintritt in die Szene ist dann nur noch ein kleiner Schritt.

Mehr als 120 Symbole und Codes zählt das Antifaschistische Pressearchiv (Apabiz) inzwischen. Die Mitarbeiter des in Berlin ansässigen Vereins haben sich die Mühe gemacht, die vielen Codes zu entschlüsseln – „teilweise mit abenteuerlichen Herleitungen“, sagt Apabiz-Mitarbeiter Falco Schuhmann: „Es sind zu viele, um als Außenstehender noch durchzusteigen.“

Symbole und Codes an sich seien strafrechtlich schwer zu fassen. Nur wenn sie eindeutig auf eine verbotene Organisation hinweisen, könnten sie verboten werden. Umso wichtiger sei es, sagt Schuhmann, die Bedeutung dieser Codes zu kennen: „Nur dann findet die Allgemeinheit damit auch einen politischen Umgang.“