Kommentar G-8-Treffen

Gipfel der Ratlosigkeit

Griechenland? Spanien? Ratingagenturen? Die drängendsten Fragen wurden beim G8-Treffen in Camp David nicht beantwortet – ja größtenteils nicht mal angesprochen.

Es wird Zeit, die G8 in R8 umzubenennen – für „Ratlose acht“. Was US-Präsident Obama, Frankreichs Staatschef Hollande und Kanzlerin Merkel beim G8-Treffen in Camp David produziert haben, ist das Papier nicht wert, auf dem es steht. Plattitüden und Formelkompromisse sollen überdecken, dass sich die „Großen acht“ in keiner wichtigen Frage einig sind – und dass sie keinen Schimmer haben, wie die Eurokrise zu lösen sei.

Gewiss, das Treffen endete mit einem Punktsieg für Obama, seinen neuen Buddy Hollande und für die Freunde des Wirtschaftswachstums. Das Wort Wachstum durchzieht die Schlusserklärung wie ein roter Faden, Merkels Spardogma ist gebrochen. Zudem haben es Hollande und Italiens Regierungschef Monti fertiggebracht, den EU-Sparkurs aufzuweichen. Künftig sollen beim Defizitabbau nationale Besonderheiten berücksichtigt werden, die Zeit des Kürzens mit dem Rasenmäher geht zu Ende.

Doch die akuten Probleme der Eurozone bleiben ungelöst. Was wird aus Griechenland? Was aus den spanischen Banken? Was, wenn die Bürger in den Krisenländern endgültig das Vertrauen verlieren und die Konten plündern, wie in Athen geschehen? Wie kann sichergestellt werden, dass die Ratingagenturen die Ruhe bewahren, statt die Krise – wie letzte Woche – mit immer neuen Herabstufungen anzuheizen?

ist Europa-Korrespondent der taz in Brüssel.

Die meisten dieser Fragen wurden in Camp David nicht einmal angesprochen. Die Herrschaft der Märkte war ebenso wenig ein Thema wie der Run auf die Banken. Und Griechenland wurde auch nicht gerettet, der Rausschmiss aus dem Euro ist nach Camp David sogar wahrscheinlicher geworden. Denn in dieser Frage setzte sich Merkel durch: Nur wenn die Griechen das Spardiktat schlucken, sollen sie den Euro behalten dürfen.

Die Wahl in Athen am 17. Juni wird so zur Schicksalswahl. Wie es dann weitergeht, das haben die G8 nicht gesagt. Das Treffen der Ratlosen acht hinterlässt vor allem: Ratlosigkeit.

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Jahrgang 1960. Hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, ging danach als freier Journalist nach Paris und Brüssel. Eric Bonse betreibt den Blog „Lost in EUrope“ (lostineu.eu). Seine taz-Kolumne zur Europawahl ist als E-Book erschienen - Titel: "Wo sind eigentlich die Hinterzimmer in Brüssel?"

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