Bislang kontrollierten viele kleine Entwickler das Geschäft mit Twitter-Programmen für Handys. Nun hat sich der Kurznachrichtendienst eine wichtige Software selbst geschnappt.von Ben Schwan

Grimmige Programmierer, freudige Nutzer - "Twitter for iPhone" ist jetzt kostenlos. Bild: dpa
Der Kurznachrichtendienst Twitter wäre niemals so groß, wie er heute ist, wenn nicht zahllose Programmierer ihn von Anfang an unterstützt hätten. Sie bauten Tweet-Funktionen in Web- und Handy-Programme ein, bastelten Suchmaschinen für die 140-Zeichen-Botschaften, vereinfachten das Verlinken oder ermöglichten die Analyse von Trends im Meldungsstrom. 70.000 verschiedene Anwendungen entstanden so.
Was Twitter anfangs half, wird nun aber offensichtlich mehr und mehr firmenintern als Verlust von Kernkompetenzen angesehen: Das Unternehmen aus San Francisco beginnt damit, sich wichtige Entwickler für die Plattform selbst einzuverleiben oder einfach eigene Konkurrenzprodukte aufzubauen.
Die letzte derartige Aktion sorgt nun für ein Raunen in der Twitter-Entwicklerszene: Am Freitag wurde bekannt, dass die Firma, die mittlerweile auf 150 Angestellte gewachsen ist, das populärste iPhone-Programm für Twitter übernommen hat. Die Software namens "Tweetie", die von einem einzelnen Programmierer stammt, soll künftig als "Twitter for iPhone" kostenlos direkt von Twitter vertrieben werden, der Entwickler nun direkt bei der Mutterfirma auch eine Software für Apples iPad schreiben.
iPhone-Programmierer sind entsetzt, gehörte die Twitter-Client-Kategorie doch zu einer der lukrativsten Märkte, in denen User auch bereit waren, ein paar Euro für eine gute Software zu entbehren. Mit dem Erscheinen eines "offiziellen" und noch dazu kostenlosen Twitter-Programms dürfte das den Sektor zusammenbrechen lassen. Bei Twitter hieß es nur, man habe sein Angebot komplettieren wollen. Die Logik: Anfangs habe es fehlende Funktionen gegeben, die von externen Entwicklern aufgefüllt wurden, so Twitter-Gründer Evan Williams kürzlich zur New York Times. Nun übernehme das Unternehmen selbst diesen Job. Geld genug hat die Firma inzwischen: Zuletzt nahm Twitter eine weitere millionenschwere Finanzierungsrunde auf.
Das Archiv der „New York Times“ ist ein Hort von Geheimnissen und schönen alten Bildern. Natürlich analog. Digital ist anders, kann aber mindestens genauso begeistern. von Frauke Böger

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Leserkommentare
13.04.2010 03:46 | Stephan
Könnten wir dies mit Drogen nicht auch tun? Ja, ernste Logistik würde erforderlich sein, aber stellt euch mal vor: die gesa ...
13.04.2010 02:56 | Oertzen
@taz, die lobbyzeitung: ...
13.04.2010 01:32 | Foobar
Ich bin auch ein wenig erstaunt dass soviel von Apple berichtet wird. Andererseits braucht man nicht viel erwarten wenn sic ...