Zusammen in der Diaspora

GOTTESDIENST FÜR DEN PAPST

Ein bisschen durchschlängeln geht noch, aber am Portal der Hedwigskathedrale in Mitte ist Schluss. „Tut mir leid, ist alles voll“, sagt der Mann an der Tür mit bedauernder Miene. Drinnen unter der grünen Halbkugel der katholischen Hauptkirche der Stadt beginnt der Dankgottesdienst für Benedikt XVI., der zwei Stunden später emeritierter Papst sein wird.

Es hat etwas Unwirkliches, dass dieser Gottesdienst ausgerechnet in Berlin stattfindet – jener Stadt, in der noch nicht mal jeder Zehnte katholisch ist, bundesweit ist es fast jeder Dritte. Wo es vor eineinhalb Jahren beim Besuchs Benedikts heftige Proteste gab. Wo die taz damals den Papst mit Yoda gleichsetzte, einer grünlichen Figur aus „Krieg der Sterne“. Jene Stadt, in der Katholiken und Protestanten 2009 in einem Volksentscheid vergeblich forderten, Religionsunterricht zum gleichberechtigten Pflichtfach zu machen. Tiefere Diaspora ist für einen Katholiken in Deutschland schwer zu finden.

Doch gerade hier reicht nun der Platz nicht für alle. Für jene, die nicht mehr in die Hedwigskathedrale passen, gibt es nebenan einen Raum mit Videoübertragung. Es ist das alte Phänomen in der Diaspora: enger zusammenzustehen, den Glauben ernster zu nehmen, weil es auf jeden der wenigen Einzelnen ankommt, dass er nicht ganz verloren geht. Ein Platz drinnen ist übrigens nicht für eine Katholikin reserviert, sondern für die evangelische Pfarrerstochter Angela Merkel, die mit mehreren Bundesministern, Protestanten wie Katholiken, zur Messe kommt. Die klingt nach einer Stunde mit der 11. Strophe des ökumenischen Kirchenliedklassikers „Großer Gott, wir loben dich“ aus. Die letzte Zeile lautet: „… lass uns nicht verloren sein.“ Das können sie hier alle gebrauchen. STEFAN ALBERTI